Welche Auswirkungen hat der hohe Koffeingehalt von Energy-Drinks auf das Herz-Kreislauf-System?
Der hohe Koffeingehalt in Energy-Drinks hat vielfältige und potenziell belastende Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Während moderater Kaffeekonsum oft als unbedenklich gilt, unterscheidet sich die Wirkung von Energy-Drinks durch die hohe Konzentration, die schnelle Aufnahme und die Kombination mit anderen Inhaltsstoffen (wie Taurin, Guarana oder hohen Mengen Zucker).
Hier sind die wichtigsten Auswirkungen im Detail:
1. Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck
Koffein blockiert die Adenosinrezeptoren im Körper. Adenosin ist ein Botenstoff, der normalerweise beruhigend auf das Herz wirkt und die Gefäße weitet.
- Tachykardie (Herzrasen): Durch die Blockade steigt der Puls deutlich an. Das Herz schlägt schneller, um mehr Blut durch den Körper zu pumpen.
- Hypertonie (Blutdruckanstieg): Koffein bewirkt die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin. Dies führt dazu, dass sich die Blutgefäße verengen und der Blutdruck steigt – oft kurzfristig, aber bei hohem Konsum massiv.
2. Herzrhythmusstörungen
Bei empfindlichen Personen oder bei sehr hohen Dosen kann es zu Unregelmäßigkeiten im Herzschlag kommen.
- Palpitationen: Betroffene nehmen ihren Herzschlag als unangenehm stark oder stolpernd wahr.
- Vorhofflimmern: Studien haben gezeigt, dass exzessiver Energy-Drink-Konsum (besonders bei jungen Menschen ohne Vorerkrankungen) akutes Vorhofflimmern auslösen kann.
3. Auswirkungen auf die Kontraktionskraft des Herzens
Untersuchungen mittels MRT haben gezeigt, dass Energy-Drinks die Kontraktionskraft der linken Herzkammer kurzfristig erhöhen können. Das bedeutet, das Herz muss sich stärker zusammenziehen, was das Organ bei regelmäßigem Übermaß mechanisch belasten kann.
4. Veränderung der Gefäßfunktion (Endothelfunktion)
Energy-Drinks können die Elastizität der Blutgefäße beeinträchtigen. Eine schlechtere Gefäßfunktion bedeutet, dass sich die Adern nicht mehr so gut an Belastungen anpassen können. Dies erhöht das Risiko für Durchblutungsstörungen.
5. Risiko der Dehydration und Elektrolytverschiebung
Koffein wirkt leicht harntreibend. In Kombination mit Sport (wo man ohnehin Flüssigkeit verliert) kann dies zu einem Ungleichgewicht der Elektrolyte (wie Kalium und Magnesium) führen. Elektrolyte sind jedoch essenziell für die elektrische Leitung im Herzen; ein Mangel kann gefährliche Rhythmusstörungen provozieren.
Besondere Risikofaktoren
Die Gefahr von Energy-Drinks steigt unter bestimmten Bedingungen drastisch an:
- Kombination mit Alkohol: Alkohol weitet die Gefäße, während Koffein sie verengt und die berauschende Wirkung des Alkohols maskiert. Man fühlt sich fitter, als man ist, und mutet seinem Herz-Kreislauf-System zu viel zu („Wach-Besoffen-Zustand“).
- Körperliche Anstrengung: Wer Energy-Drinks trinkt, um beim Sport leistungsfähiger zu sein, belastet sein Herz doppelt: durch die Anstrengung und durch den künstlich hochgetriebenen Puls.
- Vorerkrankungen: Menschen mit unentdeckten Herzfehlern oder Bluthochdruck tragen ein hohes Risiko für plötzliche Herzereignisse.
- Jugendliche und Kinder: Da ihr Körpergewicht geringer ist und ihr Nervensystem noch reift, reagieren sie wesentlich empfindlicher auf hohe Koffeindosen.
Empfehlungen der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)
- Gesunde Erwachsene: Bis zu 400 mg Koffein über den Tag verteilt gelten als unbedenklich (ein typischer Energy-Drink enthält etwa 80 mg pro 250 ml, aber viele Dosen fassen 500 ml).
- Einzeldosis: Nicht mehr als 200 mg auf einmal.
- Kinder/Jugendliche: Maximal 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag.
Fazit: Ein gelegentlicher Energy-Drink ist für gesunde Erwachsene meist unproblematisch. Die Gefahr liegt im „Binge-Drinking“ (große Mengen in kurzer Zeit), der Kombination mit Sport oder Alkohol sowie im regelmäßigen Konsum durch Jugendliche, da dies das Herz-Kreislauf-System dauerhaft unter Stress setzt.