Welche Probleme entstehen durch eine zu geringe Bestellmenge bei einer Betonage?

Melden

Wenn bei einer Betonage zu wenig Beton bestellt wurde, entstehen oft kaskadierende Probleme, die von zusätzlichen Kosten bis hin zu schwerwiegenden statischen Mängeln reichen können.

Hier sind die wichtigsten Probleme im Detail:

1. Technische und statische Probleme (Kaltfugen)

Das gravierendste Problem ist die Entstehung einer ungewollten Kaltfuge (Arbeitsfuge).

  • Unterbrechung des Verbunds: Wenn der nachbestellte Beton eintrifft, hat der bereits eingebaute Beton oft schon mit dem Abbinden begonnen. Der neue Beton verbindet sich nicht mehr monolithisch mit der alten Schicht.
  • Statische Schwachstelle: Eine ungeplante Fuge kann die Tragfähigkeit des Bauteils (z. B. einer Decke oder eines Unterzugs) gefährden.
  • Undichtigkeit: Bei wasserundurchlässigen Bauteilen (WU-Beton, „Weiße Wanne“) führt eine Kaltfuge fast zwangsläufig zu Leckagen, da die Fuge nicht fachgerecht mit Fugenbändern oder Blechen gesichert wurde.

2. Baubetriebliche Probleme und Verzögerungen

  • Stillstand auf der Baustelle: Die Kolonne (die Bauarbeiter) steht still, kann aber nicht zu einer anderen Aufgabe wechseln, da das Bauteil offen und unfertig ist.
  • Blockierung von Maschinen: Die Betonpumpe muss vor Ort bleiben. Je länger die Wartezeit, desto größer ist die Gefahr, dass der Beton im Pumpentrichter oder in den Schläuchen fest wird (besonders bei Hitze).
  • Verzögerung im Zeitplan: Da die Nachlieferung Zeit in Anspruch nimmt, verschieben sich nachfolgende Gewerke oder der Feierabend der Arbeiter.

3. Zusätzliche Kosten

Eine Nachbestellung kleiner Mengen („Angstmeter“ oder Restmengen) ist teuer:

  • Mindermengenzuschlag: Betonwerke berechnen hohe Aufschläge, wenn ein Fahrmischer nicht voll ausgeladen wird (meist unter 5–6 m³).
  • Zusätzliche Frachtkosten: Eine extra Fahrt kostet extra Geld.
  • Wartezeiten der Pumpe: Die Standzeiten der Betonpumpe werden pro Stunde oder Minute abgerechnet und sind sehr kostspielig.
  • Überstunden: Die Lohnkosten für die Arbeiter steigen durch die unfreiwillige Wartezeit.

4. Qualitätseinbußen der Oberfläche

  • Optische Mängel: Man sieht den Übergang zwischen der ersten und der zweiten Lieferung oft deutlich (Farbunterschiede, „Ansatzstellen“), was besonders bei Sichtbeton fatal ist.
  • Schwierigkeiten beim Glätten: Wenn der erste Teil schon hart wird, während der zweite noch flüssig ist, lässt sich die Oberfläche nicht mehr gleichmäßig eben abziehen oder flügelglätten.

5. Risiko der Entmischung / Erhärtung

Wenn die Nachlieferung sehr lange dauert, muss der bereits gelieferte Beton auf der Baustelle eventuell „totgearbeitet“ werden, um ihn offen zu halten, was die Betonqualität (W/Z-Wert, Festigkeit) verschlechtern kann, wenn unerlaubt Wasser zugegeben wird.


Wie man das Problem vermeidet:

  • Genaue Mengenermittlung: Das theoretische Volumen (Länge x Breite x Höhe) berechnen.
  • Verschleiß- und Verformungszuschlag: Je nach Bauteil rechnet man 3 % bis 5 % zusätzlich ein (für Schalungsausbauchung, Unebenheiten im Untergrund oder Reste in der Pumpe).
  • „Abbestell-Verfahren“: Bei großen Betonagen bestellt man die letzte Fuhre erst dann fest („auf Abruf“), wenn man den exakten Restbedarf beim Einbau der vorletzten Fuhre abschätzen kann.

Fazit: Zu wenig Beton zu bestellen ist in der Regel deutlich teurer und riskanter, als am Ende einen halben Kubikmeter zu viel zu haben und diesen (kostenpflichtig) entsorgen zu lassen.

0