Welche Probleme entstehen bei der maschinellen Aufarbeitung von Teigen mit sehr hohem Kernanteil in Großbäckereien?
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Die maschinelle Verarbeitung von Teigen mit einem sehr hohen Anteil an Ölsaaten, Kernen und Nüssen (z. B. Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsamen) stellt Großbäckereien vor spezifische technische und technologische Herausforderungen.
Hier sind die Hauptprobleme, unterteilt in verschiedene Bereiche:
1. Mechanischer Verschleiß und Maschinenschäden
Kerne und Saaten wirken in den Maschinen wie Schleifmittel.
- Abrieb: In Teigteilern, Rundwirkern und Förderanlagen führt der hohe Kernanteil zu einem deutlich schnelleren Verschleiß von metallischen Oberflächen, Kolben und Messern.
- Beschädigung der Dosiersysteme: Harte Schalenreste oder sehr feste Kerne können feine Mechaniken blockieren oder Dichtungen beschädigen.
2. Probleme bei der Teigteilung und Gewichtsgenauigkeit
In der industriellen Produktion ist die Gewichtsgenauigkeit (Stichwort: Fertigpackungsverordnung) essenziell.
- Ungleichmäßige Verteilung: Kerne neigen dazu, sich zu entmischen oder im Trichter Brücken zu bilden. Das führt dazu, dass einzelne Teigstücke zu viele oder zu wenige Kerne enthalten, was das Gewicht schwanken lässt.
- Schneidprobleme: Beim Teilen des Teiges können Kerne direkt unter das Messer geraten. Entweder werden die Kerne zerquetscht (was die Optik und Haltbarkeit verschlechtert), oder das Messer wird stumpf bzw. schneidet unsauber, was zu "Fransen" am Teigling führt.
3. Beeinträchtigung des Klebergerüsts (Rheologie)
Kerne sind Fremdkörper im Teiggefüge.
- Mechanische Zerstörung: Die scharfen Kanten der Kerne wirken wie kleine Messer und zerschneiden während des Knetens und Formens die Glutenstränge (das Klebergerüst). Das Ergebnis ist ein instabiler Teig mit geringem Gashaltevermögen.
- Stabilitätsverlust: Ein hoher Kernanteil macht den Teig schwer. Das geschwächte Klebergerüst kann das Gewicht der Kerne beim Aufgehen (Gärung) oft nicht tragen, was zu flachen Broten oder einem Zusammenfallen des Gebäcks führt.
4. Wasserhaushalt und Teigbeschaffenheit
Kerne nehmen aktiv Einfluss auf die Hydratation des Teiges.
- Nachdicken: Wenn Kerne nicht ausreichend in Vorstufen (Brüh- oder Quellstücke) verarbeitet wurden, entziehen sie dem Teig während der Ruhezeit Wasser. Der Teig wird fest, trocken und verliert seine Maschinenfähigkeit.
- Klebrigkeit: Werden die Kerne hingegen zu stark mechanisch beansprucht, können Öle austreten. Dies macht den Teig schmierig, was Probleme bei der Übergabe auf Transportbänder oder in Gärkörbe verursacht.
5. Probleme beim Formen und Wirken
- Hautbildung: Für eine schöne Kruste muss der Teigling beim Rund- oder Langwirken eine "Spannung" aufbauen. Ein hoher Kernanteil an der Oberfläche verhindert eine geschlossene Teighaut. Die Gärgase entweichen leichter, und das Brot reißt unkontrolliert auf.
- Haftung: Kerne an der Außenseite können dazu führen, dass Teiglinge an den Gärgutträgern oder in den Formen festkleben, was den automatisierten Prozess stoppt.
6. Herausforderungen beim Schneiden (Slicing)
Nach dem Backen müssen viele dieser Brote für den Verkauf in Scheiben geschnitten werden.
- Messerverschleiß: Harte Kerne (besonders wenn sie geröstet oder getrocknet sind) lassen die Messer der Brotschneidemaschinen (Gattersägen oder Kreismesser) extrem schnell stumpf werden.
- Ausbrechen von Kernen: Beim Schneiden können ganze Kerne aus der Krume gerissen werden. Das hinterlässt Löcher im Brot und führt zu einer unsauberen Schnittfläche, was die Qualität beeinträchtigt (Ausschuss).
7. Sensorik und Haltbarkeit (Ranzerigkeit)
- Fettverderb: Durch die mechanische Belastung in der Maschine können die Kerne leicht beschädigt werden. Dabei treten ungesättigte Fettsäuren aus, die unter Sauerstoffeinfluss schneller oxidieren. Das Brot kann dadurch vorzeitig einen ranzigen oder bitteren Geschmack entwickeln.
Zusammenfassung der Lösungsansätze in Großbäckereien:
Um diese Probleme zu minimieren, setzen Großbäckereien auf:
- Quell- und Brühstücke: Um die Kerne weicher zu machen und den Wasserhaushalt zu stabilisieren.
- Spezielle Beschichtungen: Teflonisierungen an Trichtern und Teilern, um das Kleben zu verhindern.
- Schonende Knetung: Kürzere Knetzeiten nach der Zugabe der Kerne.
- Vakuumfüller: Einsatz von speziellen Pumpensystemen (wie in der Fleischindustrie), die Kerne schonender fördern als klassische Kolbenteiler.