Welche Probleme entstehen bei der alphabetischen Sortierung von zusammengesetzten Begriffen, die mit „Garten-“ beginnen?
Die alphabetische Sortierung von zusammengesetzten Begriffen (Komposita), die mit „Garten-“ beginnen, wirkt auf den ersten Blick trivial, birgt aber bei genauerer Betrachtung sowohl für menschliche Registerersteller als auch für Computer-Algorithmen verschiedene Probleme.
Hier sind die wichtigsten Problemfelder:
1. Behandlung des Bindestrichs (Sonderzeichen-Logik)
Dies ist das häufigste Problem bei der EDV-gestützten Sortierung. Computer sortieren nach ASCII- oder Unicode-Werten.
- Das Problem: Der Bindestrich (-) hat einen anderen Wert als Buchstaben. Je nach System wird er entweder vor dem Buchstaben „a“ oder gar nicht gewertet.
- Beispiel:
- Garten-Möbel
- Gartenarbeit
- In einer rein technischen Sortierung stünde „Garten-Möbel“ oft vor „Gartenarbeit“, weil der Bindestrich im Zeichensatz vor dem „a“ kommt. In einem Wörterbuch (nach DIN 5007) wird der Bindestrich jedoch oft ignoriert, sodass „Gartenarbeit“ vor „Garten-Möbel“ (als „Gartenmoebel“) stünde.
2. Zusammengeschrieben vs. Getrennt (Durchkopplung)
Im Deutschen können viele Begriffe sowohl zusammen als auch mit Bindestrich geschrieben werden (besonders bei Verdeutlichungen oder langen Wortketten).
- Das Problem: „Gartenhaus“ und „Garten-Haus“ sind semantisch identisch, landen aber an unterschiedlichen Stellen in der Liste, wenn das Sortiersystem strikt Zeichen für Zeichen vorgeht.
- Folge: Der Nutzer findet einen Begriff eventuell nicht, weil er an einer anderen Stelle sucht (z. B. zwischen „Gartenfackel“ und „Gartenkralle“ statt unter „Garten-“).
3. Umlaute und Flexionsformen (Garten vs. Gärten)
Oft tauchen in Listen auch Pluralformen oder abgeleitete Begriffe auf.
- Das Problem: Nach DIN 5007 gibt es zwei Varianten:
- Variante 1 (Wörterbuch): ä wird wie a behandelt (Gärten sortiert wie Garten).
- Variante 2 (Telefonbuch/Namen): ä wird wie ae behandelt (Gärten sortiert wie Gaerten).
- Beispiel: Wo steht „Gärtner“? Zwischen „Gartenhaus“ und „Gartenkralle“? Oder ganz woanders? Wenn eine Liste „Garten-“ Begriffe mischt, führt das zu Inkonsistenzen.
4. Wortlänge vs. Folgewort („Kurz vor Lang“)
Es gibt zwei grundlegende Sortierprinzipien: „Wort für Wort“ (lexikographisch mit Leerzeichenbeachtung) und „Buchstabe für Buchstabe“ (Ignorieren von Leerzeichen/Strichen).
- Wort für Wort:
- Garten (das alleinstehende Wort)
- Garten Eden
- Gartenbau
- Buchstabe für Buchstabe:
- Gartenbau
- Garten Eden (da „b“ in Bau vor „e“ in Eden kommt, falls das Leerzeichen ignoriert wird)
- Bei „Garten-“ Begriffen führt das dazu, dass zusammengesetzte Wörter (Gartenbau) mit Phrasen (Garten im Herbst) kollidieren.
5. Semantische vs. Alphabetische Ordnung
Ein „Garten-Center“ ist eine Institution, ein „Gartenzwerg“ ein Objekt.
- Das Problem: In Katalogen oder Verzeichnissen erwarten Nutzer oft eine logische Gruppierung. Rein alphabetisch werden jedoch thematisch völlig fremde Begriffe nebeneinander gewürfelt:
- Gartenabfälle
- Gartenamt
- Gartenarbeit
- Hier stehen biologischer Müll, eine Behörde und eine Tätigkeit direkt beieinander, was die Übersichtlichkeit bei sehr langen Listen erschwert.
6. Groß- und Kleinschreibung
Obwohl im Deutschen Substantive großgeschrieben werden, können in Datenbanken auch kleingeschriebene Begriffe oder Adjektive (gartenähnlich) auftauchen.
- Das Problem: Viele Computer-Sortierungen (ASCII) reihen erst alle Großbuchstaben (A-Z) und dann alle Kleinbuchstaben (a-z) auf.
- Beispiel: „Gartenzwerg“ käme in einer solchen Liste vor „gartenähnlich“, obwohl „a“ alphabetisch vor „G“ steht.
Zusammenfassung der Lösung (Best Practice)
Um diese Probleme zu umgehen, nutzen Profis (Bibliothekare, Archivare) meist die DIN 5007:
- Ignorieren von Bindestrichen und Leerzeichen beim Sortieren.
- Umlaute (ä, ö, ü) werden wie die Grundvokale behandelt.
- Groß- und Kleinschreibung wird nicht unterschieden.
- Zahlen in Begriffen (z.B. Garten 1, Garten 10, Garten 2) sollten numerisch und nicht rein zeichenbasiert sortiert werden (damit die 2 vor der 10 kommt).