Welche offiziellen Zertifikate und Siegel kennzeichnen biologisch abbaubares Geschirr?

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Wenn Sie biologisch abbaubares oder kompostierbares Geschirr (z. B. aus PLA, Zuckerrohr-Bagasse, Palmblatt oder Holz) kaufen, sollten Sie auf bestimmte offizielle Zertifikate und Siegel achten. Diese garantieren, dass das Material unter definierten Bedingungen tatsächlich zerfällt und keine Schadstoffe hinterlässt.

Hier sind die wichtigsten Siegel und Standards:

1. Die europäische Norm EN 13432 (Der Goldstandard)

Dies ist die wichtigste technische Norm in Europa. Sie legt fest, dass ein Produkt als „industriell kompostierbar“ gilt. Ein Produkt erhält diese Zertifizierung nur, wenn es:

  • Nach 12 Wochen in einer industriellen Kompostierungsanlage zu mindestens 90 % in Fragmente kleiner als 2 mm zerfallen ist.
  • Keine negativen Auswirkungen auf den Kompostierungsprozess oder die Qualität des fertigen Komposts (z. B. durch Schwermetalle) hat.

2. Der „Keimling“ (Seedling-Logo)

Dies ist das bekannteste grafische Symbol für Produkte, die die EN 13432 erfüllen.

  • Herausgeber: European Bioplastics e.V.
  • Bedeutung: Das Geschirr ist in einer industriellen Kompostierungsanlage abbaubar. Es bedeutet ausdrücklich nicht, dass es im heimischen Gartenkompost oder in der Natur verrottet.

3. TÜV AUSTRIA Siegel (OK compost)

Der TÜV Austria vergibt zwei sehr verbreitete Siegel, die oft auf Bio-Einweggeschirr zu finden sind:

  • OK compost INDUSTRIAL: Entspricht der EN 13432. Das Geschirr benötigt die hohen Temperaturen (50–60 °C) einer industriellen Anlage, um abgebaut zu werden.
  • OK compost HOME: Dieses Siegel ist wertvoller für Endverbraucher. Es garantiert, dass das Produkt auch bei niedrigeren Temperaturen (wie im eigenen Gartenkompost) innerhalb eines angemessenen Zeitraums biologisch abgebaut wird.

4. DIN-Geprüft Zertifikate

Vergeben von DIN CERTCO (TÜV Rheinland Gruppe). Ähnlich wie das Keimling-Logo basieren diese auf der EN 13432.

  • Es gibt Labels für „Industriell kompostierbar“ und „Heimkompostierbar“.
  • Zusätzlich gibt es das Siegel „Biobasiert“, das angibt, wie hoch der Anteil an nachwachsenden Rohstoffen im Produkt ist (z. B. 20 %, 50 % oder >85 %).

5. FSC®- und PEFC-Siegel (für Holz und Papier)

Wenn das Geschirr aus Holz (z. B. Besteck) oder Papier/Pappe besteht, sind diese Siegel wichtig für die Herkunft:

  • FSC (Forest Stewardship Council): Garantiert, dass das Holz aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft stammt.
  • PEFC: Ein ähnliches System zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung.
  • Hinweis: Diese Siegel sagen etwas über die Nachhaltigkeit der Quelle aus, nicht zwingend über die Kompostierbarkeit (obwohl reines Holz natürlich abbaubar ist).

6. Nordic Swan (Der Nordische Schwan)

Ein sehr strenges Umweltzeichen aus Skandinavien, das man gelegentlich auf Einweggeschirr findet. Es bewertet den gesamten Lebenszyklus und stellt hohe Anforderungen an Chemikalien und Abbaubarkeit.


Wichtige Unterscheidungen – Was Sie wissen sollten:

  1. „Biologisch abbaubar“ vs. „Kompostierbar“:

    • Der Begriff „biologisch abbaubar“ ist rechtlich nicht geschützt und kann irreführend sein (alles baut sich irgendwann ab, manche Kunststoffe aber erst in 400 Jahren).
    • „Kompostierbar“ ist durch die Norm EN 13432 definiert und an feste Zeitrahmen geknüpft.
  2. Entsorgung in Deutschland (Die Biotonne-Falle):

    • Obwohl Geschirr mit dem Keimling oder OK compost zertifiziert ist, darf es in den meisten deutschen Kommunen nicht in die Biotonne.
    • Der Grund: Die industriellen Kompostierungsanlagen arbeiten oft in kürzeren Zyklen (ca. 4-6 Wochen), als die Norm (12 Wochen) vorsieht. Das Geschirr wird daher als „Störstoff“ aussortiert und verbrannt.
  3. Vorsicht bei „Greenwashing“:

    • Achten Sie darauf, dass eine Zertifizierungsnummer (z. B. 7PXXXX) unter dem Logo steht. Nur dann ist das Siegel echt und nachverfolgbar.

Zusammenfassend: Suchen Sie primär nach dem Keimling oder dem OK compost HOME Siegel, wenn Sie sichergehen wollen, dass das Geschirr ökologische Standards erfüllt.