Welche Materialien benötigen zwingend eine vorherige Grundierung?

Melden

Eine Grundierung ist immer dann erforderlich, wenn der Untergrund entweder zu stark saugt, gar nicht saugt, instabil ist oder Inhaltsstoffe besitzt, die die Endbeschichtung zerstören oder verfärben könnten.

Hier sind die Materialien, die zwingend eine vorherige Grundierung benötigen:

1. Saugende Untergründe (z. B. im Innenausbau)

Diese Materialien saugen die Feuchtigkeit aus der Farbe oder dem Kleber so schnell auf, dass diese nicht richtig binden können. Die Folge: Die Farbe blättert ab oder wird kreidig.

  • Gipsplatten (Rigips): Das Papier und die Spachtelmasse saugen unterschiedlich stark. Ohne Grundierung (Tiefgrund) sieht man später jeden Spachtelstreifen durch die Farbe.
  • Putz (Gips-, Kalk-, Zementputz): Besonders neuer Putz saugt extrem stark.
  • Porenbeton (Ytong): Die extrem offene Struktur entzieht dem Putz oder der Farbe sofort das Wasser.
  • Alter Beton: Er kann sanden oder stark saugen.

2. Metalle (Korrosionsschutz & Haftung)

Auf Metall hält normale Wandfarbe oder einfacher Lack meist gar nicht oder es kommt zu chemischen Reaktionen.

  • Eisen und Stahl: Benötigen zwingend eine Rostschutzgrundierung, da wasserbasierte Lacke sonst sofort Rost auslösen würden.
  • Aluminium: Bildet eine Oxidschicht, auf der Lack nicht hält. Hier wird ein spezieller Haftvermittler (Wash-Primer) benötigt.
  • Verzinkter Stahl: Zink bildet sogenannte „Zinkseifen“, wenn er mit normalem Lack in Kontakt kommt. Der Lack blättert großflächig ab. Hier ist eine Netzmittelwäsche und eine spezielle Grundierung (z. B. Zinkgrund) nötig.

3. Hölzer mit kritischen Inhaltsstoffen

Holz ist ein Naturprodukt und arbeitet. Manche Inhaltsstoffe ruinieren die Optik.

  • Gerbstoffreiche Hölzer (Eiche, Kastanie, Robinie): Wenn man diese hell streicht, dringen die Gerbstoffe durch die Farbe und verursachen gelbe oder braune Flecken. Hier ist ein Absperrgrund (Isoliergrund) zwingend.
  • Harzreiche Hölzer (Kiefer, Lärche): Harz kann den Lack verfärben oder ablösen. Ein spezieller Holzgrund verhindert das.
  • Unbehandeltes Holz im Außenbereich: Benötigt eine Bläueschutz-Grundierung gegen Pilzbefall.

4. Glatte, nicht-saugende Untergründe

Hier findet die Farbe keinen mechanischen Halt („Verkallung“).

  • Fliesen und Glas: Ohne einen speziellen Haftgrund (Fliesengrundierung) würde die Farbe einfach wie eine Haut abgezogen werden können.
  • Kunststoffe (hartes PVC, Polyester): Diese Oberflächen sind zu glatt und müssen mit einem Kunststoff-Haftvermittler vorbereitet werden.
  • Alte Lackanstriche: Wenn auf einen glatten Öllack eine wasserbasierte Acrylfarbe gestrichen werden soll, braucht es einen Haftgrund.

5. Problemuntergründe (Flecken und Instabilität)

  • Nikotin-, Ruß- oder Wasserflecken: Diese Stoffe sind wasserlöslich. Streicht man mit normaler Wandfarbe darüber, lösen sie sich und kommen immer wieder an die Oberfläche. Hier hilft nur ein Sperrgrund (Isoliergrund).
  • Sandende oder kreidende Wände: Wenn man mit der Hand über die Wand fährt und sie weiß wird, muss ein Tiefgrund her, um den Untergrund zu festigen.

Zusammenfassung: Warum grundieren?

  1. Haftung: Damit die Farbe überhaupt kleben bleibt (z. B. Metall, Fliesen).
  2. Saugausgleich: Damit die Farbe gleichmäßig trocknet und keine Flecken entstehen (z. B. Rigips).
  3. Schutz: Um Rost (Metall) oder Schimmel/Fäulnis (Holz) zu verhindern.
  4. Absperrung: Um das Durchbluten von Flecken oder Holzinhaltsstoffen zu stoppen.

Tipp: Im Zweifelsfall ist eine Grundierung fast immer eine gute Investition. Die Kosten für die Grundierung sind minimal im Vergleich zu dem Ärger, wenn die Endbeschichtung großflächig abblättert oder verfleckelt.

0