Aus welchen Materialien werden moderne Arbeitshandschuhe gefertigt?

Melden

Moderne Arbeitshandschuhe sind heute hochspezialisierte High-Tech-Produkte. Die Wahl des Materials hängt extrem vom Einsatzbereich ab (Schnittschutz, Chemikalienschutz, Hitzeschutz oder Feinmechanik).

Hier sind die wichtigsten Materialien, unterteilt in Kategorien:

1. Beschichtungen (Trägermaterial + Schutzschicht)

Die meisten modernen Montagehandschuhe bestehen aus einem gestrickten Textil, das an den Innenflächen beschichtet ist:

  • Nitril / Nitril-Mikroschaum: Der aktuelle Standard. Es ist sehr robust, abriebfest und ölbeständig. Mikroschaum ist zudem atmungsaktiv und bietet einen hervorragenden Griff.
  • Polyurethan (PU): Sehr dünn und elastisch. Es bietet ein exzellentes Tastgefühl (Feinmechanik), ist aber weniger robust gegenüber Ölen und mechanischer Belastung als Nitril.
  • Latex (Natürkautschuk): Extrem griffig (auch bei Nässe) und dehnbar. Nachteil: Kann Allergien auslösen und ist nicht ölbeständig.
  • PVC (Polyvinylchlorid): Wird oft bei Chemikalienschutzhandschuhen oder günstigen Winterhandschuhen eingesetzt, da es wasserabweisend und robust gegen Säuren und Laugen ist.

2. Hochleistungs-Fasern (Schnitt- und Hitzeschutz)

Wenn es um den Schutz vor Schnitten oder Feuer geht, kommen Spezialfasern zum Einsatz:

  • HPPE (High Performance Polyethylene): Eine extrem reißfeste Faser (z. B. unter dem Markennamen Dyneema bekannt). Sie ist leicht, kühl auf der Haut und bietet hohen Schnittschutz.
  • Aramid (z. B. Kevlar): Bekannt durch schusssichere Westen. Hochgradig hitzebeständig und schnittfest. Ideal für Schweißer oder Arbeiten mit heißen Metallen.
  • Glas- und Stahlfasern: Diese werden oft in das Garn eingewebt, um die Schnittschutzklasse zu maximieren (z. B. für die Fleischindustrie oder Metallverarbeitung).

3. Klassische Materialien (Naturstoffe)

Trotz High-Tech bleiben Naturmaterialien in bestimmten Nischen wichtig:

  • Leder:
    • Vollleder/Nappaleder: Geschmeidig, gut für Montagearbeiten (z. B. vom Schaf oder Ziege).
    • Spaltleder: Robust und hitzebeständig, ideal für schwere Arbeiten oder zum Schweißen (meist vom Rind).
  • Baumwolle: Dient meist als Unterziehhandschuh oder als atmungsaktives Trägermaterial. Sie nimmt Schweiß gut auf.

4. Spezialmaterialien für Chemie und Industrie

  • Neopren: Beständig gegen eine Vielzahl von Chemikalien und thermische Einflüsse.
  • Butylkautschuk: Hat eine extrem hohe Dichtigkeit gegen Gase und sehr aggressive Chemikalien.
  • Viton: Ein extrem teures Fluorelastomer für den Umgang mit hochaggressiven Lösungsmitteln wie Benzol oder Toluol.

5. Moderne Zusatzfunktionen

Moderne Handschuhe kombinieren diese Materialien oft mit neuen Features:

  • Touchscreen-Kompatibilität: In die Fingerspitzen werden Kupfer- oder Carbonfasern eingearbeitet, damit Tablets und Smartphones bedient werden können.
  • ESD-Fasern (Antistatik): Carbonfäden verhindern elektrische Entladungen, die Elektronikbauteile zerstören könnten.
  • Nachhaltige Materialien: Immer mehr Hersteller setzen auf recyceltes Polyester (aus PET-Flaschen) oder CO2-neutral produzierte Fasern.

Zusammenfassend: Der typische "moderne" Arbeitshandschuh ist meist ein Mix aus einem Nylon- oder HPPE-Strickgewebe mit einer Nitril-Mikroschaum-Beschichtung. Er vereint Schutz mit Atmungsaktivität und hoher Fingerfertigkeit.

0