Welche kulturellen Fettnäpfchen gibt es bei der Verwendung des Wortes „Berliner“ in einer Bäckerei innerhalb der Stadt Berlin?
Wenn du in einer Berliner Bäckerei stehst und das Wort „Berliner“ benutzt, wirst du zwar fast immer verstanden, aber du begehst ein klassisches kulturelles Fettnäpfchen, das dich sofort als Touristen oder „Zugezogenen“ entlarvt.
Hier sind die Details und die damit verbundenen Missverständnisse:
1. Das Hauptproblem: Der Name
In Berlin heißt das Siedegebäck (Hefeteig mit Marmeladenfüllung und Zucker), das im Rest Deutschlands als „Berliner“ bekannt ist, schlicht und einfach: Pfannkuchen.
- Der Fettnäpfchen-Faktor: Wenn du einen „Berliner“ bestellst, korrigieren dich manche Bäckerverkäufer mit einem Augenzwinkern oder einer Prise der berüchtigten „Berliner Schnauze“: „Dit sind Pfannkuchen! Berliner sind die Leute, die hier wohnen.“
2. Die Verwechslungsgefahr mit dem Eierkuchen
Das eigentliche Fettnäpfchen liegt in der Verwechslung der Begriffe:
- In Berlin ist ein Pfannkuchen das runde, frittierte Teil mit Marmelade.
- Das, was man im restlichen Deutschland unter einem Pfannkuchen versteht (flach, in der Pfanne gebraten, aus Eierteig), heißt in Berlin Eierkuchen.
Wenn du also in Berlin nach einem „Pfannkuchen“ suchst und das flache Ding meinst, wirst du das runde mit Füllung bekommen.
3. Die „Berliner Schnauze“
Berlin ist bekannt für einen direkten, manchmal etwas schroffen Humor. Wenn du „Berliner“ bestellst, lädst du die Verkaufskraft geradezu dazu ein, einen Spruch zu klopfen wie:
- „Berliner haben wir hier nicht, wir essen unsere Bürger nicht.“
- „Die stehen draußen an der Bushaltestelle.“
Das ist meist nicht böse gemeint, kann aber auf Uneingeweihte unfreundlich wirken.
4. Der JFK-Mythos (Hintergrundwissen)
Oft wird behauptet, John F. Kennedy hätte sich mit seinem Satz „Ich bin ein Berliner“ blamiert, weil er sich als Pfannkuchen bezeichnet hätte. Das ist ein Mythos. In Berlin versteht jeder aus dem Kontext, dass er die Staatsbürgerschaft meinte. Ein Berliner würde niemals sagen „Ich bin ein Pfannkuchen“, um seine Herkunft zu betonen. Dennoch wird dieser Witz in Bäckereien gerne mal aufgewärmt, wenn Touristen falsch bestellen.
5. Ausnahme: Silvester und Karneval (Fasching)
Zu Silvester gibt es in Berlin die Tradition der Pfannkuchen mit Senffüllung (als Scherz zwischen den normalen). Auch hier gilt: Wer „Berliner“ bestellt, bekommt vielleicht den mit Senf – als „Bestrafung“ für die falsche Wortwahl (natürlich nur im Scherz).
Zusammenfassung: So machst du es richtig
Um wie ein Einheimischer zu wirken und das Fettnäpfchen zu umgehen, solltest du folgende Vokabeln nutzen:
- Bestellung: „Ich hätte gerne zwei Pfannkuchen.“ (für das runde Gebäck mit Zucker/Guss)
- Andere Regionen: Wenn du in Sachsen oder Bayern bist, sagst du Krapfen. In fast ganz restlichen Deutschland sagst du Berliner. Aber nur in Berlin sind es Pfannkuchen.
Zusatz-Tipp: Wenn du den Pfannkuchen mit Pflaumenmus-Füllung und Puderzucker willst, sag in Berlin einfach: „Einen mit Pflaumenmus.“ Die Standardfüllung ist meist Mehrfrucht-Marmelade.