Welche künstlichen Aromen werden häufig anstelle von echten Früchten in Fruchtjoghurt verwendet?

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In der Lebensmittelindustrie werden Aromen eingesetzt, um den Geschmack von Fruchtjoghurt zu intensivieren, da echte Früchte oft nicht ausreichen, um ein kräftiges Geschmackserlebnis zu erzeugen, oder während der Lagerung an Aroma verlieren.

Dabei muss man zwischen synthetischen Aromen und „natürlichen“ Aromen (die oft gar nicht aus der Frucht stammen) unterscheiden. Hier sind die häufigsten Beispiele:

1. Erdbeere (Der Klassiker der Aromaverstärkung)

Echte Erdbeeren sind teuer und ihr Geschmack verfliegt schnell.

  • Woraus es oft gewonnen wird: Wenn auf dem Becher „natürliches Aroma“ steht, stammt dies häufig nicht aus Erdbeeren, sondern wird mithilfe von Mikroorganismen (Schimmelpilzen oder Bakterien) gewonnen, die auf einem Nährboden aus Holzspänen (Sägemehl) oder Maische gezüchtet werden. Diese Mikroorganismen produzieren Stoffe, die wie Erdbeere riechen.
  • Chemische Verbindungen: Häufig werden Ester wie Ethylbutyrat verwendet.

2. Vanille

Echte Vanille ist eines der teuersten Gewürze der Welt.

  • Woraus es gewonnen wird: Das meiste Vanillearoma (Vanillin) wird heute synthetisch hergestellt. Ein gängiger Ausgangsstoff dafür ist Lignin, ein Bestandteil von Holz, der als Abfallprodukt bei der Papierherstellung anfällt. Auch aus Erdöl (Guajacol) kann Vanillin chemisch synthetisiert werden.

3. Pfirsich und Aprikose

  • Chemische Verbindungen: Hier werden oft sogenannte Laktone (z. B. Gamma-Undecalacton) verwendet. Diese Stoffe riechen sehr intensiv nach Pfirsich und verleihen dem Joghurt die typische samtig-süße Note.

4. Himbeere

  • Woraus es gewonnen wird: Natürliches Himbeeraroma kann aus Zirbenholz oder anderen pflanzlichen Stoffen gewonnen werden. Eine wichtige Verbindung ist das sogenannte Himbeerketon, das zwar in der Beere vorkommt, im Labor aber viel günstiger hergestellt werden kann.

5. Banane

  • Chemische Verbindungen: Der typische „künstliche“ Bananengeschmack kommt meist vom Isoamylacetat. Es riecht sehr stark nach Banane, wird aber fast immer chemisch im Labor hergestellt.

Was bedeuten die Bezeichnungen auf dem Etikett?

Um zu verstehen, was man wirklich isst, muss man die Begriffe der EU-Aromenverordnung kennen:

  1. „Natürliches Erdbeer-Aroma“: Dieses Aroma muss zu mindestens 95 % aus echten Erdbeeren gewonnen worden sein. Die restlichen 5 % dürfen aus anderen natürlichen Quellen stammen (zur Standardisierung).
  2. „Natürliches Aroma“: Das Aroma muss aus einer natürlichen Quelle stammen (z. B. Pflanzen, Pilze, Bakterien), aber nicht unbedingt aus der Frucht, die auf dem Becher abgebildet ist. Ein „natürliches Aroma“ im Erdbeerjoghurt kann also komplett aus Holzspänen oder Schimmelpilzkulturen gewonnen worden sein.
  3. „Aroma“: Dies ist ein Hinweis auf synthetisch/künstlich hergestellte Aromastoffe, die im Labor erfunden wurden und kein Vorbild in der Natur haben müssen.

Warum machen die Hersteller das?

  • Kosten: Ein Gramm künstliches Aroma ist um ein Vielfaches billiger als die entsprechende Menge an echten Früchten.
  • Stabilität: Echte Früchte verändern ihre Farbe und ihren Geschmack durch die Säure im Joghurt und die Lagerzeit. Aromen bleiben über Monate stabil.
  • Gewöhnung: Viele Verbraucher haben sich so sehr an die intensiven künstlichen Aromen gewöhnt, dass ihnen ein Joghurt, der nur echte Früchte enthält, oft „zu fad“ schmeckt.

Tipp: Wer sichergehen will, sollte Naturjoghurt kaufen und frisches Obst hineinschneiden. So umgeht man die versteckten Aromen und den meist sehr hohen Zuckerzusatz in Fruchtjoghurts.