Welche Inhaltsstoffe sorgen bei Industrie-Tabs für die hohe Fettlösekraft?
Industrie-Spülmittel (insbesondere Tabs für gewerbliche Spülmaschinen) unterscheiden sich von Haushalts-Produkten vor allem durch ihre Geschwindigkeit und Aggressivität. Während ein Haushalts-Tab 60 bis 90 Minuten Zeit hat, muss ein Industrie-Tab in 1 bis 5 Minuten wirken.
Die enorme Fettlösekraft wird durch ein Zusammenspiel folgender Inhaltsstoffe erreicht:
1. Alkalien (Die Basis)
Alkalien sind der wichtigste Bestandteil für die Fettlösung. Sie erhöhen den pH-Wert der Waschlauge stark (oft auf pH 12 bis 14).
- Natriumhydroxid (Ätznatron) oder Kaliumhydroxid: Diese starken Basen sorgen für die Verseifung von Fetten. Das bedeutet, dass wasserunlösliche Fette chemisch in wasserlösliche Seifen und Glycerin umgewandelt werden.
- Natriummetasilikat: Es unterstützt die Reinigung, puffert den pH-Wert und dient gleichzeitig als Korrosionsschutz für die Maschine, damit die starken Alkalien das Metall nicht angreifen.
2. Tenside (Die Netzmittel)
Da herkömmliche Tenside bei den hohen Temperaturen und der starken Mechanik in Industriemaschinen zu stark schäumen würden (was die Pumpe beschädigen könnte), werden spezielle Tenside eingesetzt:
- Nichtionische Tenside (schwach schäumend): Sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab. Dadurch kann das Wasser das Fett besser unterwandern und ablösen. In der Industrie werden oft Ethoxylate oder Blockcopolymere verwendet, die erst ab einer bestimmten Temperatur (dem Trübungspunkt) ihre volle Wirkung entfalten und dann kaum schäumen.
3. Komplexbildner / Builder (Die Enthärter)
Damit die Reinigungskraft nicht durch Kalk im Wasser verpufft und um Schmutzpartikel in Schwebe zu halten, sind starke Komplexbildner enthalten:
- Phosphate (STPP - Natriumtripolyphosphat): Während Phosphate in Haushaltsreinigern in der EU weitgehend verboten sind, werden sie in der Industrie aufgrund ihrer unübertroffenen Fettlöseunterstützung und Schmutztragefähigkeit oft noch eingesetzt (sofern es die regionalen Abwasserbestimmungen erlauben).
- Phosphonate oder MGDA/GLDA: Moderne, umweltfreundlichere Alternativen, die Kalk binden und verhindern, dass sich gelöste Fette wieder auf dem Geschirr absetzen (Redeposition).
4. Oxidationsmittel / Bleichmittel
Um hartnäckige organische Rückstände (Farbstoffe von Tee/Kaffee, aber auch klebrige Fett-Eiweiß-Verbindungen) zu knacken:
- Aktivchlor: In vielen gewerblichen Reinigern ist Chlor enthalten, da es extrem schnell organische Verschmutzungen oxidiert und so die Fettlösung beschleunigt.
- Natriumpercarbonat: Die sauerstoffbasierte Alternative (oft in "Öko"-Industrietabs), die bei hohen Temperaturen wirkt.
5. Enzyme (Bedingt)
In hochalkalischen Industrie-Reinigungsmitteln kommen Enzyme seltener vor als im Haushalt, da sie durch den extrem hohen pH-Wert zerstört würden. In milderen Industrie-Tabs findet man jedoch:
- Lipasen: Enzyme, die Fettmoleküle gezielt in kleinere Stücke spalten.
- Amylasen und Proteasen: Für Stärke und Eiweiß, die oft mit Fett "verklebt" sind.
Zusammenfassung: Warum sind sie so stark?
Die hohe Fettlösekraft resultiert aus der Kombination von extremer Alkalität (Verseifung) und speziellen Tensiden, die auch bei kurzen Kontaktzeiten und hohen Temperaturen (bis 65°C im Waschgang) stabil bleiben. Ein Haushalts-Tab würde in einer gewerblichen 2-Minuten-Maschine kläglich scheitern, da er sich weder schnell genug auflöst noch die chemische "Brechstange" (hoher pH-Wert) besitzt.