Gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass Inhaltsstoffe wie Taurin oder Glucuronolacton die körperliche Leistungsfähigkeit tatsächlich steigern?
Die kurze Antwort lautet: Für Taurin gibt es Hinweise auf eine geringfügige Wirkung, während für Glucuronolacton wissenschaftliche Belege für eine Leistungssteigerung beim Menschen fast gänzlich fehlen.
In der Forschung ist es zudem extrem schwierig, die Wirkung dieser Stoffe isoliert zu betrachten, da sie meist in Kombination mit Koffein (dessen leistungssteigernde Wirkung bestens belegt ist) konsumiert werden.
Hier ist die detaillierte wissenschaftliche Einordnung:
1. Taurin
Taurin ist eine Aminosäureverbindung, die der Körper selbst herstellt und die eine Rolle bei der Muskelfunktion, der Herzfunktion und im Zentralnervensystem spielt.
- Hypothese: Man vermutet, dass Taurin die Calcium-Freisetzung in den Muskelzellen reguliert (was die Kontraktion verbessert), oxidativen Stress reduziert und die Fettverbrennung bei Ausdauerbelastungen leicht erhöht.
- Studienlage: Es gibt Meta-Analysen (Zusammenfassungen vieler Einzelstudien), die darauf hindeuten, dass Taurin die Ausdauerleistung geringfügig verbessern kann (z. B. die Zeit bis zur Erschöpfung verlängert). Die Effekte sind jedoch oft statistisch klein.
- Das Problem: Viele positive Effekte wurden in Tierversuchen oder an isolierten Muskelfasern beobachtet. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist nicht immer eins zu eins gegeben. Zudem sind die in Studien verwendeten Mengen oft höher als das, was in einer Standarddose Energydrink enthalten ist.
- Urteil der EFSA: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Gesundheitsversprechen (Health Claims) zu Taurin geprüft und kam zu dem Schluss, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Taurin und einer Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit oder einer Verringerung der Muskelermüdung nachgewiesen wurde.
2. Glucuronolacton
Glucuronolacton ist ein natürlicher Metabolit, der beim Abbau von Glukose in der Leber entsteht.
- Hypothese: In den 1960er Jahren gab es Vermutungen, dass die Substanz die Entgiftung fördert und die Ausdauer steigert.
- Studienlage: Es gibt so gut wie keine aussagekräftigen Humandaten, die belegen, dass die zusätzliche Einnahme von Glucuronolacton die sportliche Leistung verbessert. Die meisten Behauptungen basieren auf sehr alten Tierversuchen oder Marketing-Narrativen.
- Urteil der Wissenschaft: Glucuronolacton gilt in Energydrinks eher als "Füllstoff" mit Marketing-Hintergrund. Die EFSA sieht auch hier keine wissenschaftliche Grundlage für eine leistungssteigernde Wirkung.
3. Der "Synergie-Effekt" mit Koffein
Hersteller von Energydrinks argumentieren oft, dass die Kombination aus Koffein, Taurin und Glucuronolacton eine Synergie erzeugt, die stärker wirkt als Koffein allein.
- Die Forschung hierzu ist widersprüchlich. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Kombination die Aufmerksamkeit und Reaktionszeit leicht verbessert, andere finden keinen signifikanten Unterschied zur Wirkung von reinem Koffein.
- Es ist wissenschaftlich gesichert, dass Koffein die Glykogenverbrennung verzögert, das Schmerzempfinden senkt und die Konzentration steigert. Die meisten Experten gehen davon aus, dass 95 % der Wirkung eines Energydrinks allein auf das Koffein und (kurzfristig) den Zucker zurückzuführen sind.
Fazit
- Taurin: Kann eventuell einen kleinen Beitrag zur Ausdauer leisten, die Beweise sind jedoch nicht robust genug für eine allgemeine Empfehlung.
- Glucuronolacton: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für eine Leistungssteigerung beim Menschen.
- Sicherheit: In den üblichen Mengen gelten beide Stoffe als sicher. Die EFSA kam 2009 zu dem Schluss, dass die Mengen in Energydrinks gesundheitlich unbedenklich sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Sie eine Leistungssteigerung spüren, liegt das höchstwahrscheinlich am Koffein. Taurin und Glucuronolacton haben auf dem Papier interessante biochemische Eigenschaften, in der Praxis (im Sport) ist ihr Zusatznutzen jedoch wissenschaftlich kaum belegbar.