Welche Inhaltsstoffe in Sonnenschutzcreme stehen im Verdacht, Korallenriffe zu schädigen?

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Bestimmte chemische UV-Filter in Sonnencremes stehen seit Jahren in der Kritik, da sie Korallenriffe bleichen und das Erbgut von Meereslebewesen schädigen können. Schätzungen zufolge landen jährlich etwa 14.000 Tonnen Sonnencreme in den Weltmeeren.

Hier sind die Inhaltsstoffe, die am stärksten im Verdacht stehen, Korallenschäden zu verursachen:

1. Die Hauptverdächtigen (Häufig verboten)

Diese beiden Stoffe sind die bekanntesten Schadstoffe und wurden beispielsweise auf Hawaii und in Palau bereits gesetzlich verboten:

  • Oxybenzon (Benzophenon-3): Dies ist der problematischste Stoff. Er wirkt wie ein Hormongift, schädigt die DNA von Korallenlarven und führt dazu, dass Korallen bereits bei niedrigen Temperaturen ausbleichen und absterben.
  • Octinoxat (Ethylhexylmethoxycinnamat): Auch dieser Filter trägt massiv zur Korallenbleiche bei, indem er die symbiotischen Algen (Zooxanthellen) schädigt, von denen die Korallen leben.

2. Weitere bedenkliche chemische Filter

Neben den oben genannten stehen auch diese Stoffe unter Beobachtung oder sind in einigen Regionen (z. B. Jungferninseln) untersagt:

  • Octocrylen: Es ist sehr stabil und reichert sich in der Nahrungskette an. Studien zeigen, dass es in Korallen in hohen Konzentrationen gefunden wird und deren Stoffwechsel stört.
  • 4-Methylbenzylidencampher (4-MBC): Ein in Europa teilweise noch verwendeter Filter, der ebenfalls im Verdacht steht, hormonell wirksam zu sein und Korallen zu schädigen.
  • Avobenzon & Homosalat: Auch wenn sie oft als "sicherer" Ersatz gelten, gibt es zunehmend Hinweise, dass auch sie negative Auswirkungen auf marine Ökosysteme haben könnten.

3. Mineralische Filter in Nano-Form

Mineralische Sonnencremes (mit Zinkoxid oder Titandioxid) gelten grundsätzlich als umweltfreundlicher, aber es gibt eine wichtige Einschränkung:

  • Nano-Partikel: Wenn diese Mineralien in „Nano“-Form vorliegen (extrem kleine Partikel, damit die Creme nicht weißelt), können sie von Korallen und anderen Meeresbewohnern aufgenommen werden. Sie können oxidativen Stress in den Organismen auslösen.
  • Empfehlung: Man sollte auf mineralische Filter setzen, die ausdrücklich als "Non-Nano" gekennzeichnet sind.

Wie schädigen diese Stoffe die Korallen konkret?

  1. Korallenbleiche: Die Chemikalien aktivieren Viren in den Algen, die in Symbiose mit den Korallen leben. Die Algen sterben ab oder werden ausgestoßen, wodurch die Koralle weiß wird und verhungert.
  2. Genetische Schäden: Sie wirken als endokrine Disruptoren (Hormongifte), die die Fortpflanzung und das Wachstum junger Korallen stören.
  3. Deformierungen: Korallenlarven entwickeln sich unter dem Einfluss dieser Stoffe oft fehlerhaft und können sich nicht mehr am Riff ansiedeln.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

  • "Reef Safe" Siegel: Achten Sie auf Aufschriften wie „Korallenfreundlich“ oder „Reef Friendly“. Vorsicht: Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt, daher immer die Inhaltsstoffe prüfen.
  • Verzicht auf Oxybenzon und Octinoxat: In der EU müssen diese Stoffe auf der Verpackung deklariert werden.
  • Mineralischer Schutz (Non-Nano): Cremes mit Zinkoxid oder Titandioxid (ohne Nanopartikel) wählen.
  • UV-Kleidung: Der beste Schutz für die Meere ist es, weniger Haut eincremen zu müssen. Ein UV-Shirt (Rashguard) ersetzt einen Großteil der Sonnencreme.
  • Keine Sprays im Sand: Benutzen Sie Sprays vorsichtiger, da ein Großteil des Nebels im Sand landet und bei Flut ins Meer gespült wird. Cremes sind gezielter aufzutragen.
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