Warum ist die Schrift der Inhaltsstoffe auf kleinen Keks-Einzelpackungen oft kaum lesbar?

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Dass die Inhaltsstoffe auf kleinen Keks-Einzelpackungen (wie man sie oft zum Kaffee im Café bekommt) oft nur mit einer Lupe lesbar sind, hat mehrere Gründe. Es ist ein Zusammenspiel aus rechtlichen Vorschriften, Platzmangel und wirtschaftlichen Überlegungen:

1. Gesetzliche Mindestschriftgröße

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) schreibt zwar vor, wie groß die Schrift sein muss, aber die Grenzwerte sind sehr niedrig:

  • Standard: Die x-Höhe (die Höhe eines kleinen „x“) muss mindestens 1,2 mm betragen.
  • Ausnahme für kleine Verpackungen: Wenn die größte Oberfläche der Verpackung weniger als 80 cm² beträgt, sinkt die geforderte Mindestschriftgröße auf 0,9 mm. Da Einzelverpackungen oft winzig sind, nutzen Hersteller diesen Spielraum voll aus, um so viel Text wie möglich unterzubringen.

2. Mehrsprachigkeit (Kosteneffizienz)

Einzeln verpackte Kekse werden oft in riesigen Mengen produziert und europaweit vertrieben. Um die Kosten für unterschiedliche Druckplatten und Lagerhaltung zu senken, drucken Hersteller die Zutatenliste in vielen Sprachen gleichzeitig auf die kleine Folie (z. B. Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch).

  • Das Ergebnis: Der verfügbare Platz halbiert oder drittelt sich pro Sprache nochmals, was die Schrift extrem schrumpfen lässt.

3. Fülle an Pflichtangaben

Der Gesetzgeber verlangt auf jeder Verpackung eine Vielzahl an Informationen, selbst wenn sie noch so klein ist:

  • Verkehrsbezeichnung (was ist es genau?)
  • Zutatenliste
  • Allergenkennzeichnung (muss fett oder hervorgehoben sein)
  • Nährwerttabelle
  • Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Herstelleradresse
  • Nettofüllmenge All diese Infos müssen auf wenige Quadratzentimeter passen.

4. Marketing vs. Information

Die Vorderseite der Packung soll „Appetit“ machen. Dort prangt das Logo, ein Bild des Kekses oder ein Werbespruch. Da dieser Platz für das Marketing reserviert ist, bleibt für die gesetzlich vorgeschriebenen (aber für den Verkauf oft weniger förderlichen) Informationen nur die Rückseite oder die Seitenfalte übrig.

5. Verpackungstechnik und Material

Kleine Kekspackungen bestehen meist aus Kunststofffolie, die verschweißt wird.

  • Schweißnähte: Ein Teil der Fläche geht für die Siegelnähte verloren.
  • Verzerrung: Beim Bedrucken von flexibler Folie und dem anschließenden automatisierten Verpackungsprozess kann die Schrift verrutschen oder in einer Falte verschwinden, was die Lesbarkeit zusätzlich erschwert.

6. Kontrastprobleme

Oft liegt es nicht nur an der Größe, sondern am mangelnden Kontrast. Goldene Schrift auf dunkelrotem Grund oder Silber auf Weiß sieht für das Design edel aus, ist aber physiologisch schwer zu entziffern. Auch hier gibt die Verordnung zwar „gute Lesbarkeit“ vor, dieser Begriff ist jedoch dehnbar.

Fazit: Die Hersteller bewegen sich meist am untersten Limit des rechtlich Erlaubten, um die Produktionskosten durch Mehrsprachigkeit niedrig zu halten und das Design nicht durch „hässliche“ Textblöcke zu stören.

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