Sind die in der Versiegelung von Keks-Einzelpackungen verwendeten Klebstoffe gesundheitlich unbedenklich?
Die kurze Antwort lautet: Ja, die in der EU verwendeten Klebstoffe für Lebensmittelverpackungen gelten als gesundheitlich unbedenklich, sofern sie den strengen gesetzlichen Vorschriften entsprechen.
Es gibt jedoch einige Details zur Funktionsweise und zu den Sicherheitskontrollen, die wichtig sind, um das Risiko besser zu verstehen:
1. Gesetzliche Regulierung
In der Europäischen Union und in Deutschland unterliegen Verpackungsmaterialien der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 und der LFGB (Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch).
- Grundregel: Stoffe dürfen nur in so geringen Mengen auf das Lebensmittel übergehen, dass sie die menschliche Gesundheit nicht gefährden und den Geschmack oder Geruch des Produkts nicht verändern.
- Für Kunststoffe und Klebstoffe gibt es spezifische „Positivlisten“. Nur Substanzen, die geprüft und zugelassen sind, dürfen verwendet werden.
2. Arten der Versiegelung bei Keks-Einzelpackungen
Oft wird bei Keksen gar kein „Kleber“ im herkömmlichen Sinne (wie aus der Tube) verwendet, sondern spezielle Verfahren:
- Heißsiegeln: Die Kunststofffolie selbst (oder eine spezielle Innenbeschichtung) wird durch Hitze kurz angeschmolzen und verpresst. Hierbei wird kein externer Klebstoff benötigt.
- Kaltsiegeln: Dies wird oft bei Schokolade oder hitzeempfindlichen Keksen verwendet. Hierbei wird ein klebender Lack (oft auf Naturlatexbasis) nur an den Stellen aufgetragen, die aufeinanderliegen. Dieser Kleber kommt im Idealfall nicht mit dem Lebensmittel in Kontakt.
- Kaschierkleber: Wenn die Verpackung aus mehreren Schichten besteht (z. B. bedruckte Folie außen, Aluminiumschicht in der Mitte, Schutzfolie innen), werden Klebstoffe verwendet, um diese Schichten zu verbinden. Diese befinden sich zwischen den Folien und haben keinen direkten Kontakt zum Keks.
3. Mögliche Risiken und Überwachung (Migration)
Das Hauptthema in der Wissenschaft ist die sogenannte Migration – also das Wandern von chemischen Bausteinen aus der Verpackung in den Keks.
- MOSH/MOAH (Mineralölrückstände): Diese können theoretisch aus Klebstoffen oder Druckfarben stammen. Die Industrie hat hier jedoch stark nachgebessert und nutzt oft Barriere-Schichten.
- Primäre aromatische Amine (PAA): Diese können entstehen, wenn bestimmte Klebstoffe (Polyurethan-Kleber) nicht vollständig ausgehärtet sind. Die Behörden (wie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt) führen hierzu regelmäßig Stichproben durch.
4. Schutzmechanismen
- Funktionelle Barrieren: Viele Keksverpackungen haben eine metallisierte Schicht (die silbrig glänzende Innenseite). Diese wirkt als fast perfekte Barriere gegen das Wandern von Molekülen aus Kleber oder Tinte.
- Konformitätserklärung: Jeder Hersteller von Verpackungen muss dem Keks-Produzenten schriftlich garantieren, dass die Verpackung sicher ist und alle Grenzwerte eingehalten werden.
Fazit
Man muss sich beim Verzehr von einzeln verpackten Keksen keine Sorgen um den Klebstoff machen. Die Grenzwerte für die Stoffübertragung sind sehr konservativ (also sehr sicher) angesetzt.
Ein kleiner Tipp für den Alltag: Wenn eine Verpackung extrem chemisch oder unangenehm riecht (nach dem Öffnen), könnte das ein Hinweis auf unsaubere Produktion oder nicht ausgehärtete Stoffe sein. In einem solchen Fall ist es ratsam, das Produkt beim Händler zu reklamieren.