Welche gesundheitlichen Bedenken gibt es gegen Mikroplastik in Zahnpasta?
Die Verwendung von Mikroplastik in Zahnpasta ist in den letzten Jahren stark in die Kritik geraten. Während viele große Hersteller aufgrund des öffentlichen Drucks und neuer EU-Regulierungen bereits darauf verzichten, gibt es dennoch wichtige gesundheitliche und ökologische Bedenken.
Hier sind die zentralen gesundheitlichen Bedenken gegen Mikroplastik in Zahnpasta:
1. Mechanische Reizungen und Entzündungen im Mundraum
Früher wurden feste Kunststoffkügelchen (meist aus Polyethylen) als Putzkörper eingesetzt, um Zahnbelag mechanisch zu entfernen.
- Zahnfleischreizungen: Diese kleinen Partikel können sich in den Zahnfleischtaschen festsetzen. Dort wirken sie wie Fremdkörper und können chronische Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) oder sogar des Zahnhalteapparates (Parodontitis) begünstigen.
- Verletzungen der Schleimhaut: Die harten Partikel können mikroskopisch kleine Verletzungen an der empfindlichen Mundschleimhaut verursachen, was das Eindringen von Bakterien erleichtert.
2. Aufnahme in den Körper (Systemische Risiken)
Mikroplastikpartikel sind oft so klein, dass sie über die Mundschleimhaut oder durch versehentliches Verschlucken in den Organismus gelangen können.
- Barriereüberwindung: Neuere Studien zeigen, dass kleinste Plastikpartikel (Nanoplastik) die Darmbarriere und möglicherweise auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.
- Anreicherung in Organen: Mikroplastik wurde bereits in menschlichem Blut, in der Plazenta und in Organen wie Leber und Lunge nachgewiesen. Die langfristigen Folgen dieser Ablagerungen sind noch nicht vollständig erforscht, werden aber kritisch beobachtet.
3. Chemische Zusatzstoffe und Schadstoffe
Plastik besteht nicht nur aus Polymeren, sondern enthält oft Zusatzstoffe, die gesundheitlich bedenklich sind:
- Endokrine Disruptoren: Viele Kunststoffe enthalten Weichmacher (Phthalate) oder Bisphenol A (BPA), die wie Hormone wirken. Diese können den Hormonhaushalt stören und mit Unfruchtbarkeit, Übergewicht oder bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht werden.
- „Magnetwirkung“ für Gifte: Mikroplastik hat eine lipophile (fettliebende) Oberfläche. Im Abwasser oder in der Umwelt saugen diese Partikel Schadstoffe wie Pestizide oder Schwermetalle wie ein Schwamm auf. Wenn diese Partikel (über die Nahrungskette oder direkt) in den Körper gelangen, bringen sie diese konzentrierte Schadstofflast mit.
4. Flüssiges Mikroplastik (Synthetische Polymere)
Ein aktuelles Problem ist, dass viele Hersteller zwar auf feste „Kügelchen“ verzichten, aber flüssige, gelartige oder wachsartige synthetische Polymere (z. B. Acrylates Copolymer, Carbomer) als Bindemittel oder Trübungsmittel verwenden.
- Obwohl diese nicht die mechanische Reizwirkung von festen Partikeln haben, ist deren biologische Abbaubarkeit oft schlecht und die gesundheitliche Langzeitwirkung im menschlichen Körper weitgehend ungeklärt.
5. Indirekte gesundheitliche Folgen über die Umwelt
Zahnpasta wird ausgespült und gelangt ins Abwasser. Kläranlagen können die winzigen Partikel oft nicht vollständig herausfiltern.
- Das Mikroplastik landet auf Feldern (über Klärschlamm) oder in Gewässern.
- Es reichert sich in Fischen und Nutzpflanzen an.
- Am Ende landet das Plastik über die Nahrungskette wieder auf unserem Teller, was die allgemeine Schadstoffbelastung des Menschen erhöht.
Der aktuelle Stand (EU-Verbot)
Die Europäische Union hat im Jahr 2023 ein Verbot für bewusst zugesetztes Mikroplastik erlassen. Dies betrifft auch Kosmetika und Zahnpasta. Für Produkte, die ausgespült werden (wie Zahnpasta), gelten Übergangsfristen, aber die meisten namhaften Hersteller haben feste Mikroplastik-Partikel bereits durch natürliche Alternativen wie Kieselsäure (Silica), Kreide oder Marmorpulver ersetzt.
Wie erkenne ich Mikroplastik in meiner Zahnpasta?
Wenn Sie sichergehen wollen, meiden Sie Produkte mit folgenden Inhaltsstoffen in der Liste (INCI):
- Polyethylene (PE) (feste Partikel, heute selten)
- Polypropylene (PP)
- Acrylates Copolymer (AC)
- Carbomer
- Polyquaternium
Empfehlung: Zertifizierte Naturkosmetik ist grundsätzlich frei von Mikroplastik und synthetischen Polymeren auf Erdölbasis. Auch Apps wie CodeCheck oder ToxFox können helfen, Mikroplastik per Barcode-Scan schnell zu identifizieren.