Entstehen beim Zerfall von biobasierten Kunststoffen dennoch Mikroplastik-Rückstände?
Die kurze Antwort lautet: Ja, auch beim Zerfall von biobasierten Kunststoffen können Mikroplastik-Rückstände entstehen.
Um zu verstehen, warum das so ist, muss man zwischen zwei Begriffen unterscheiden, die oft verwechselt werden: „biobasiert“ und „biologisch abbaubar“.
Hier ist die detaillierte Erklärung:
1. Biobasiert bedeutet nicht automatisch biologisch abbaubar
- Biobasiert sagt nur etwas über den Ursprung der Rohstoffe aus (z. B. Maisstärke, Zuckerrohr oder Cellulose statt Erdöl).
- Es gibt sogenannte „Drop-in“-Biokunststoffe wie Bio-PE (Bio-Polyethylen) oder Bio-PET. Diese sind chemisch identisch mit ihren fossilen Gegenstücken.
- Die Folge: Da sie chemisch identisch sind, bauen sie sich in der Natur genauso wenig ab wie herkömmliches Plastik. Wenn sie zerfallen (durch UV-Strahlung oder Reibung), entstehen dauerhafte Mikroplastik-Partikel, die über Jahrhunderte in der Umwelt verbleiben.
2. Mikroplastik als Zwischenstadium beim Abbau
Selbst Kunststoffe, die als biologisch abbaubar zertifiziert sind (wie PLA – Polymilchsäure), verschwinden nicht sofort.
- Der Abbauprozess ist eine Zersetzungskette: Das Material wird erst brüchig, zerfällt in kleinere Stücke (Makro- zu Mikroplastik) und wird dann erst von Mikroorganismen zu Wasser, CO₂ und Biomasse verstoffwechselt.
- Das Problem: Dieser Prozess benötigt oft spezifische Bedingungen (z. B. industrielle Kompostieranlagen mit 60 °C und hoher Feuchtigkeit). In der kalten Nordsee oder im Waldboden findet dieser Prozess kaum oder nur extrem langsam statt.
- Solange der vollständige Abbau nicht abgeschlossen ist, existiert das Material als „biologisch abbaubares Mikroplastik“ in der Umwelt.
3. Sind „biologisch abbaubare“ Rückstände weniger gefährlich?
Die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen, aber es gibt wichtige Punkte:
- Physikalische Gefahr: Ein Partikel in der Größe von Mikroplastik kann von Kleinstlebewesen (Plankton, Muscheln) aufgenommen werden und deren Verdauungstrakt blockieren, egal ob er aus Erdöl oder Maisstärke besteht.
- Additive: Auch Biokunststoffen werden oft chemische Zusatzstoffe beigemischt (Weichmacher, Farbstoffe, UV-Stabilisatoren). Wenn der Kunststoff zerfällt, werden diese Chemikalien in die Umwelt abgegeben.
4. Definitionsproblem „Oxo-abbaubares Plastik“
Früher wurden oft Kunststoffe als „biologisch abbaubar“ vermarktet, die lediglich Zusätze enthielten, die den Kunststoff schneller zerfallen ließen (oxo-abbaubar). Diese zerfielen besonders schnell in unsichtbares Mikroplastik, ohne jemals wirklich biologisch abgebaut zu werden. Diese sind in der EU mittlerweile verboten.
Fazit
Biobasierte Kunststoffe sind ein Schritt weg vom Erdöl, aber keine Lösung für das Mikroplastik-Problem, solange sie in die Umwelt gelangen.
- Bio-basierte, nicht abbaubare Kunststoffe hinterlassen dauerhaftes Mikroplastik.
- Biologisch abbaubare Kunststoffe hinterlassen temporäres Mikroplastik, das unter ungünstigen Bedingungen (wie im Meer) viele Jahre bestehen bleiben kann, bevor es endgültig verschwindet.
Der beste Schutz vor Mikroplastik bleibt daher die Vermeidung von Plastikabfällen und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, unabhängig davon, woraus das Plastik hergestellt wurde.