Welche chemischen Rückstände von Bleichmitteln können in herkömmlichen Papiertaschentüchern enthalten sein?
In herkömmlichen Papiertaschentüchern können je nach Herstellungsverfahren verschiedene chemische Rückstände aus dem Bleichprozess enthalten sein. Das Ziel der Bleiche ist es, das braune Lignin aus dem Zellstoff zu entfernen, um das Papier weiß, weich und saugfähig zu machen.
Hier sind die wichtigsten Rückstände und Stoffgruppen, die auftreten können:
1. Dioxine und Furane (PCDD/PCDF)
Diese Stoffe gelten als die problematischsten Rückstände. Sie entstehen als Nebenprodukte, wenn elementares Chlor zur Bleiche verwendet wird.
- Hintergrund: Dioxine sind hochgiftig, reichern sich im Fettgewebe an und stehen im Verdacht, krebserzeugend zu sein und das Hormonsystem zu stören.
- Heutiger Status: In Europa und Nordamerika ist die Verwendung von elementarem Chlor weitgehend verboten oder wird durch sicherere Verfahren ersetzt. In Billigimporten aus Ländern mit niedrigeren Umweltstandards können sie jedoch theoretisch noch vorkommen.
2. AOX (Adsorbierbare organisch gebundene Halogene)
AOX ist ein Summenparameter für eine Vielzahl von chlorierten organischen Verbindungen (z. B. chlorierte Phenole oder Lösungsmittel).
- Entstehung: Sie entstehen vor allem beim ECF-Verfahren (Elemental Chlorine Free), bei dem statt Chlorgas meist Chlordioxid verwendet wird.
- Bedeutung: Obwohl ECF-gebleichtes Papier deutlich weniger Dioxine enthält als früher, verbleiben oft geringe Mengen an AOX-Verbindungen im Zellstoff. Diese sind vor allem für die Umwelt (Abwasser) belastend, können aber in Spuren auch im Endprodukt nachweisbar sein.
3. Chlorphenole
Diese Stoffe können als Abbauprodukte während des Bleichprozesses entstehen oder früher als Konservierungsmittel für die Holzspäne eingesetzt worden sein. Einige Chlorphenole gelten als potenziell krebserregend oder hautreizend.
4. Wasserstoffperoxid-Reste
Beim TCF-Verfahren (Totally Chlorine Free – komplett chlorfrei gebleicht) werden Sauerstoff, Ozon oder Wasserstoffperoxid verwendet.
- Risiko: Diese Stoffe hinterlassen in der Regel keine gefährlichen Rückstände im Papier, da sie zu Wasser und Sauerstoff zerfallen. TCF-Papier gilt daher als die gesundheitlich unbedenklichste Variante.
5. Weitere (nicht-bleichspezifische) Rückstände
Oft werden im Zusammenhang mit Bleichmitteln auch andere Chemikalien genannt, die in Taschentüchern vorkommen können:
- Formaldehyd: Wird oft verwendet, um die „Nassfestigkeit“ zu erhöhen (damit das Tuch beim Schnäuzen nicht sofort reißt). Es ist kein Bleichmittel, aber ein häufiger Schadstoff in konventionellen Tüchern.
- Optische Aufheller: Diese werden zugesetzt, um das Papier noch weißer erscheinen zu lassen. Sie können bei Hautkontakt allergische Reaktionen auslösen.
Worauf sollte man achten?
Um Rückstände zu minimieren, kann man auf folgende Siegel und Bezeichnungen achten:
- Blauer Engel: Garantiert, dass das Papier aus 100 % Altpapier besteht und bei der Herstellung keine Chlorbleiche, optische Aufheller oder Halogenverbindungen eingesetzt wurden.
- TCF (Totally Chlorine Free): Das Papier wurde ohne jegliche Chlorverbindungen gebleicht.
- ECF (Elemental Chlorine Free): Frei von Elementarchlor, aber unter Verwendung von Chlordioxid gebleicht (geringe Mengen an AOX möglich).
Fazit: In modernen, in der EU verkauften Marken-Taschentüchern sind die Konzentrationen dieser Rückstände heute meist so gering, dass sie für gesunde Menschen keine akute Gefahr darstellen. Sensible Personen oder Menschen mit Allergien fahren jedoch mit ungebleichten Recycling-Produkten oder TCF-zertifizierten Tüchern am sichersten.