Hinterlassen Industrie-Tabs chemische Rückstände auf dem Geschirr, wenn die Wassermenge beim Spülen zu gering ist?
Ja, Industrie-Tabs können chemische Rückstände auf dem Geschirr hinterlassen, wenn die Wassermenge beim Spülen zu gering ist oder der Spülprozess nicht optimal abläuft.
Hier sind die wichtigsten Gründe und Zusammenhänge, warum das passiert:
1. Höhere Konzentration der Chemikalien
Industrie-Reiniger sind deutlich aggressiver und höher konzentriert als Tabs für den Hausgebrauch. Sie sind darauf ausgelegt, in sehr kurzer Zeit (oft nur 1 bis 5 Minuten) starke Verschmutzungen zu lösen. Wenn die Wassermenge zu gering ist, steigt die Konzentration der Chemikalien (z. B. Alkalien, Phosphate oder Bleichmittel) in der Spüllauge überproportional an. Diese hochkonzentrierte Lösung lässt sich schwerer restlos abspülen.
2. Mangelhafte Verdünnung und Klarspülung
In gewerblichen Spülmaschinen erfolgt die Reinigung in zwei Hauptphasen: dem Waschen und dem Klarspülen.
- Wenn beim Waschen zu wenig Wasser vorhanden ist, wird die Chemie nicht ausreichend verdünnt.
- Wenn beim Nachspülen (Klarspülen) zu wenig Frischwasser verwendet wird, reicht die mechanische Kraft und die Wassermenge nicht aus, um den verbliebenen Chemie-Film vom Geschirr abzuwaschen.
3. Löslichkeitsprobleme
Tabs benötigen eine bestimmte Menge Wasser und eine bestimmte Temperatur, um sich vollständig aufzulösen. Bei zu wenig Wasser kann es passieren, dass sich der Tab nicht ganz auflöst. Kleine, hochkonzentrierte Partikel können am Geschirr haften bleiben und dort antrocknen.
4. Die Rolle der Oberflächenspannung
Industrielle Reiniger verändern die Oberflächenspannung des Wassers massiv. Wenn nicht genügend frisches Wasser nachfließt, bleibt ein dünner Film aus Tensiden und Salzen auf der Oberfläche von Tellern und Gläsern zurück.
Woran erkennt man Rückstände?
- Geschmack/Geruch: Ein chemischer oder bitterer Beigeschmack bei Speisen und Getränken (besonders kritisch bei Gläsern/Kaffee).
- Optik: Schlieren, weißliche Flecken oder ein regenbogenartiger Schimmer auf dem Geschirr.
- Haptik: Das Geschirr fühlt sich nach dem Trocknen „klebrig“ oder unnatürlich glatt/seifig an.
Risiken von Rückständen
- Gesundheit: Industrie-Reiniger sind oft ätzend. Rückstände können die Schleimhäute reizen.
- Gastronomie-Qualität: Bei Gläsern zerstören chemische Rückstände die Schaumkrone von Bier oder verfälschen das Aroma von Wein.
Was kann man tun?
- Wasserzulauf prüfen: Sicherstellen, dass die Düsen der Sprüharme nicht durch Kalk oder Schmutz verstopft sind.
- Dosierung anpassen: Wenn die Maschine mit weniger Wasser arbeitet (z.B. durch Wassersparprogramme), muss die Chemie-Menge reduziert werden. Bei Tabs ist das schwierig, weshalb in der Industrie oft Flüssigdosiersysteme bevorzugt werden.
- Härtegrad des Wassers: Prüfen, ob die Enthärtungsanlage korrekt eingestellt ist, da kalkhaltiges Wasser die Rückstandsbildung in Kombination mit Reinigern fördern kann.
- Tabs für Haushaltsmaschinen vermeiden: Falls Industrie-Tabs in einer normalen Haushaltsmaschine verwendet werden: Das ist nicht empfehlenswert, da die Programme und Wassermengen nicht auf die aggressive Chemie abgestimmt sind.
Fazit: Eine ausreichende Wassermenge ist essenziell, um die aggressive Chemie von Industrie-Tabs restlos zu entfernen. Ist diese nicht gegeben, sind chemische Rückstände nahezu vorprogrammiert.