Welche Auswirkungen hat eine langfristige Schnullernutzung auf die Kieferform?

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Eine langfristige Schnullernutzung (besonders über das dritte Lebensjahr hinaus) kann erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kiefers und die Zahnstellung haben. Da der Kieferknochen bei Kleinkindern noch sehr weich und formbar ist, passt er sich dem permanenten Druck des Schnullers an.

Hier sind die häufigsten Auswirkungen im Detail:

1. Der lutschoffene Biss (Anteriorer offener Biss)

Dies ist die häufigste Folge. Da der Schnullerschaft ständig zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen liegt, können diese nicht vollständig herauswachsen.

  • Optik: Es entsteht eine kreisförmige Lücke zwischen den Frontzähnen, selbst wenn das Kind die Backenzähne fest zusammenbeißt.
  • Folge: Das Abbeißen von Nahrung (z. B. von einem Apfel oder Brot) wird schwierig.

2. Der Vorbiss (Protrusion der Oberkieferzähne)

Durch den Saugdruck und den Hebeleffekt des Schnullers werden die oberen Schneidezähne nach vorne gedrückt.

  • Optik: Die typischen „Hasenzähne“. Die Oberlippe wirkt oft verkürzt, da sie die vorstehenden Zähne nicht mehr entspannt umschließen kann.
  • Gefahr: Da die Zähne weit vorne stehen, ist das Risiko für Zahnverletzungen bei Stürzen erhöht.

3. Der Kreuzbiss (Verengung des Oberkiefers)

Beim Saugen üben die Wangenmuskeln Druck auf die Seiten des Oberkiefers aus, während die Zunge (die normalerweise den Oberkiefer von innen stützt und weitet) durch den Schnuller nach unten gedrückt wird.

  • Folge: Der Oberkiefer wird zu schmal und wächst eher spitz (V-förmig) statt rund (U-förmig).
  • Auswirkung: Die oberen Backenzähne beißen nicht mehr korrekt auf die unteren, sondern stehen zu weit innen (Kreuzbiss). Dies kann zu einer Fehlbelastung der Kiefergelenke führen.

4. Der „Gotische Gaumen“

Durch den permanenten Druck des Schnullers gegen den Gaumendach kann sich dieser nach oben wölben. Ein extrem hoher, schmaler Gaumen wird in der Fachsprache als „gotischer Gaumen“ bezeichnet. Dies kann den Platz für die Nasenatmung verringern und Infektionen im HNO-Bereich begünstigen.

5. Auswirkungen auf die Zunge und Sprache

Ein verformter Kiefer beeinflusst fast immer auch die Muskelfunktion:

  • Zungenfehllage: Die Zunge gewöhnt sich an eine tiefe Position am Mundboden, anstatt am Gaumen zu liegen.
  • Sprachfehler: Durch den offenen Biss und die falsche Zungenlage kommt es häufig zum Lispeln (Sigmatismus), da die Zunge beim Sprechen durch die Zahnlücke rutscht.
  • Schluckmuster: Das kindliche Schluckmuster (Zunge stößt nach vorne) bleibt oft bestehen, anstatt sich zum Erwachsenenschluckmuster zu entwickeln.

Ab wann wird es kritisch?

  • Bis zum 2. Geburtstag: In der Regel sind Verformungen in diesem Alter noch gering und bilden sich oft von selbst zurück („Selbstheilungspotenzial“), wenn der Schnuller zeitnah abgewöhnt wird.
  • Ab dem 3. Geburtstag: Die Kieferverformungen verfestigen sich. Das Risiko, dass eine spätere kieferorthopädische Behandlung nötig wird, steigt massiv an.

Empfehlung

Zahnärzte und Kieferorthopäden raten dazu, den Schnuller spätestens bis zum dritten Geburtstag vollständig abzugewöhnen. Wenn bereits ein offener Biss erkennbar ist, sollte die Abgewöhnung so schnell wie möglich erfolgen, um dem Kiefer die Chance zu geben, sich vor dem Durchbruch der bleibenden Zähne zu regenerieren.

Hinweis: Ein anatomisch geformter Schnuller („kiefergerecht“) mit einem sehr dünnen Schaft ist zwar weniger schädlich als ein dicker Rundsauger, verhindert die oben genannten Probleme bei exzessiver Nutzung jedoch nicht vollständig. Das Daumenlutschen gilt oft als noch schädlicher, da der Daumen härter ist und mehr Druck ausübt.

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