Was versteht man unter dem Phänomen der „drei Sonnen“, die das Reifen der Trauben im Lavaux begünstigen?
Unter dem Phänomen der „drei Sonnen“ versteht man im Schweizer Weinbaugebiet Lavaux (am Genfersee, UNESCO-Welterbe) die Kombination von drei verschiedenen Wärmequellen, die gemeinsam das Reifen der Trauben begünstigen.
Dieses Zusammenspiel ist dafür verantwortlich, dass in dieser Region trotz der nördlichen Lage und der steilen Hänge hervorragende Weine (vor allem Chasselas/Gutedel) gedeihen.
Hier sind die drei „Sonnen“ im Detail:
1. Die direkte Sonne (Die Sonne am Himmel)
Dies ist die herkömmliche Sonneneinstrahlung. Da die Weinberge im Lavaux meist nach Süden oder Südwesten ausgerichtet sind, profitieren sie von einer maximalen Anzahl an Sonnenstunden und einer optimalen Einstrahlung während des Tages.
2. Die reflektierte Sonne (Der Genfersee)
Der Genfersee wirkt wie ein riesiger Spiegel. Er reflektiert das Sonnenlicht direkt in die terrassierten Weinberge hinauf. Dies erhöht die Lichtintensität und die Wärmeabgabe an die Reben, was die Photosynthese und die Zuckerbildung in den Trauben verstärkt.
3. Die gespeicherte Sonne (Die Steinmauern)
Das Lavaux ist berühmt für seine kilometerlangen, imposanten Trockensteinmauern, die die Terrassen stützen. Diese Mauern (und der steinige Boden) fungieren als Wärmespeicher: Tagsüber heizen sie sich durch die Sonne auf und geben diese Wärme nachts langsam wieder an die Reben ab. Dies gleicht Temperaturschwankungen aus und sorgt auch nach Sonnenuntergang für ein mildes Mikroklima.
Fazit
Durch dieses Phänomen erreichen die Trauben im Lavaux eine Reife und Komplexität, die ohne diese „Zusatzsonnen“ in dieser geografischen Breite nur schwer möglich wäre. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Natur und die menschliche Architektur (die Terrassenmauern) zusammenwirken, um optimale Bedingungen für den Weinbau zu schaffen.