Was verbirgt sich hinter dem „Breggia-Schluchten-Park“ am Eingang des Tals, der als erster Geopark der Schweiz gilt?
Der Breggia-Schluchten-Park (italienisch: Parco delle Gole della Breggia) im südlichsten Zipfel der Schweiz (Mendrisiotto, Tessin) ist weit mehr als nur ein Wandergebiet. Er wurde 1998 offiziell eröffnet und gilt tatsächlich als der erste Geopark der Schweiz.
Hinter diesem Park verbirgt sich eine faszinierende Kombination aus Erdgeschichte, Industriekultur und unberührter Natur. Hier sind die wichtigsten Aspekte, die den Park ausmachen:
1. Ein „offenes Buch“ der Erdgeschichte (Geologie)
Die Breggia hat sich über Jahrtausende tief in das Gestein gegraben und dabei Schichten freigelegt, die fast 200 Millionen Jahre Erdgeschichte (vom Mesozoikum bis zum Tertiär) lückenlos sichtbar machen.
- Fossilien: Man findet dort Überreste von Ammoniten, Muscheln und sogar Haifischzähnen, die aus einer Zeit stammen, als das Gebiet noch ein tiefes Meer (der Tethys-Ozean) war.
- Gesteinsschichten: Die unterschiedlichen Farben und Strukturen der Felsen (Kalkstein, Mergel, Kieselschiefer) erzählen von Klimaveränderungen, Meeresströmungen und tektonischen Verschiebungen.
2. Die industrielle Vergangenheit (Zementfabrik)
Mitten in der wilden Naturlandschaft steht ein gigantisches Industriedenkmal: die ehemalige Zementfabrik Saceba.
- Anstatt die Fabrik nach ihrer Schliessung komplett abzureissen, wurde sie in den Park integriert.
- Der Zementpfad: Besucher können heute erleben, wie der Kalkstein aus den Steinbrüchen abgebaut und in den riesigen Öfen zu Zement verarbeitet wurde. Man kann sogar die unterirdischen Stollen besichtigen, in denen das Gestein gewonnen wurde. Dies symbolisiert den direkten Nutzen der Geologie für den Menschen.
3. Die „Chiesa Rossa“ und historische Bauten
Am Eingang des Parks (bei Castel San Pietro) steht die Chiesa Rossa (Rote Kirche) aus dem 14. Jahrhundert, die für ihre wertvollen gotischen Fresken bekannt ist. Zudem gibt es im Park alte Mühlen (wie die Mulino del Lotto), die zeigen, wie die Wasserkraft der Breggia schon vor der Zementindustrie genutzt wurde.
4. Natur und Biodiversität
Trotz der industriellen Nutzung ist der Park ein Rückzugsort für viele Pflanzen- und Tierarten. Die Schluchten bilden ein besonderes Mikroklima. Es gibt Wasserfälle, tiefe Gumpen und eine dichte Vegetation, die einen starken Kontrast zu den grauen Betonstrukturen der Fabrik bildet.
Warum ist er der „erste Geopark“?
Er erhielt dieses Label, weil er beispielhaft zeigt, wie geologische Ressourcen die menschliche Entwicklung geprägt haben. Der Park vermittelt Wissenschaft nicht trocken, sondern erlebbar:
- Vom Meeresgrund (Geologie)
- über den Abbau (Industrie)
- bis hin zur Renaturierung (Ökologie).
Fazit: Der Breggia-Schluchten-Park ist eine Art „Zeitmaschine“. Wer dort wandert, spaziert gleichzeitig über den Boden eines urzeitlichen Ozeans und durch die Ruinen der modernen Industrie. Er ist ein Muss für jeden, der verstehen will, wie die Landschaft der Schweiz entstanden ist und wie der Mensch sie sich zunutze gemacht hat.