Was passiert mit der Verdauung, wenn die Bauchspeicheldrüse zu wenig Enzyme produziert?
Wenn die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zu wenig Verdauungsenzyme produziert, spricht man medizinisch von einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI).
Da die Enzyme der Bauchspeicheldrüse entscheidend dafür sind, die Nahrung in ihre kleinsten Bestandteile zu zerlegen, damit sie ins Blut aufgenommen werden können, hat ein Mangel gravierende Folgen für den Körper.
Hier ist eine Übersicht, was dann im Körper passiert:
1. Die Nahrung wird nicht richtig aufgespalten (Maldigestion)
Die drei wichtigsten Enzymgruppen der Bauchspeicheldrüse fehlen oder sind zu gering vorhanden:
- Lipasen: Zerlegen Fette.
- Amylasen: Zerlegen Kohlenhydrate (Stärke).
- Proteasen: Zerlegen Eiweiße.
Ohne diese Enzyme wandern große Teile der Nahrung unverdaut vom Dünndarm weiter in den Dickdarm.
2. Fettstühle (Steatorrhö)
Das auffälligste Symptom ist das Problem mit der Fettverdauung. Da Fett ohne Lipase nicht abgebaut werden kann, bleibt es im Darmtrakt.
- Die Folge: Der Stuhlgang wird voluminös, glänzend-fettig, klebrig und riecht sehr stechend. Er ist oft hell gefärbt und lässt sich in der Toilette schwer herunterspülen.
3. Blähungen und Durchfall
Die unverdauten Nahrungsreste (besonders Kohlenhydrate und Eiweiße) werden im Dickdarm von Bakterien zersetzt (Gärung und Fäulnis).
- Die Folge: Es entstehen Gase, die zu starken Blähungen und schmerzhaften Bauchkrämpfen führen. Zudem ziehen die unverdauten Stoffe Wasser in den Darm, was zu chronischen Durchfällen führt.
4. Gewichtsverlust trotz Nahrungsaufnahme
Obwohl der Betroffene normal isst, verliert er an Gewicht oder kann sein Gewicht nicht halten. Der Körper verhungert gewissermaßen "bei vollem Teller", weil die Nährstoffe einfach ungenutzt ausgeschieden werden, statt im Körper anzukommen.
5. Mangel an fettlöslichen Vitaminen
Um die Vitamine A, D, E und K aufnehmen zu können, benötigt der Körper eine funktionierende Fettverdauung. Wenn das Fett unverdaut ausgeschieden wird, gehen auch diese Vitamine verloren.
- Vitamin-A-Mangel: Kann zu Nachtblindheit führen.
- Vitamin-D-Mangel: Kann Knochenschmerzen oder Osteoporose verursachen.
- Vitamin-K-Mangel: Kann die Blutgerinnung stören.
- Vitamin-E-Mangel: Kann Nerven- und Muskelschäden verursachen.
6. Mangelernährung und Muskelschwund
Da auch Proteine nicht mehr richtig verwertet werden, fehlt dem Körper das Baumaterial für Muskeln und Gewebe. Langfristig führt dies zu Muskelschwund und allgemeiner Schwäche.
Was sind die Ursachen?
Die häufigsten Gründe für eine zu geringe Enzymproduktion sind:
- Chronische Pankreatitis: Eine dauerhafte Entzündung (oft durch langjährigen Alkoholkonsum oder Rauchen).
- Mukoviszidose: Eine Erbkrankheit.
- Diabetes mellitus: Kann langfristig das Gewebe der Bauchspeicheldrüse schädigen.
- Operationen: Wenn Teile der Bauchspeicheldrüse oder des Magens entfernt wurden.
- Gallensteine: Wenn sie den Ausführungsgang der Drüse blockieren.
Was kann man tun?
Die moderne Medizin kann diesen Mangel gut ausgleichen. Betroffene nehmen zu den Mahlzeiten Enzympräparate (meist in Kapselform, gewonnen aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen) ein. Diese ersetzen die fehlenden Enzyme und ermöglichen eine fast normale Verdauung.
Hinweis: Wenn Sie solche Symptome bei sich bemerken, sollten Sie einen Arzt (Gastroenterologen) aufsuchen. Die Diagnose erfolgt meist über eine Stuhlprobe (Bestimmung der Pankreas-Elastase).