Was kann ich tun, wenn die Milchpumpe trotz voller Brust keine Milch fördert?
Es ist sehr frustrierend, wenn die Brust spannt, aber beim Pumpen einfach nichts kommt. Das Problem ist meistens nicht die fehlende Milch, sondern dass der Milchspendereflex nicht ausgelöst wird oder die Pumpe nicht optimal sitzt.
Hier ist eine Checkliste, was du jetzt tun kannst, unterteilt in Technik, Körper und Sofortmaßnahmen:
1. Die Technik überprüfen (Fehlersuche an der Pumpe)
Oft liegt es an einer Kleinigkeit am Gerät:
- Vakuum prüfen: Sitzt die Brusthaube fest und luftdicht auf der Haut? Ist der Schlauch fest eingesteckt?
- Membranen & Ventile: Überprüfe die kleinen Gummiteile (Ventile). Wenn diese einen winzigen Riss haben oder nicht richtig sitzen, geht das Vakuum verloren.
- Größe der Brusthaube: Wenn der Trichter zu klein oder zu groß ist, werden die Milchkanäle abgeklemmt statt stimuliert. Die Brustwarze sollte sich frei im Tunnel bewegen können, ohne dass zu viel Vorhof eingezogen wird.
- Pumpeinstellungen: Beginne immer im Stimulationsmodus (kurze, schnelle Rhythmen), bis die Milch fließt. Erst dann in den Abpumpmodus (langsamere, tiefere Züge) wechseln.
2. Den Milchspendereflex stimulieren
Wenn du gestresst bist oder Schmerzen hast, schüttet dein Körper Adrenalin aus – das blockiert das Hormon Oxytocin, das für das Fließen der Milch verantwortlich ist.
- Wärme: Lege vor dem Pumpen 5–10 Minuten ein warmes Kirschkernkissen oder einen feuchtwarmen Waschlappen auf die Brust. Das weitet die Gefäße.
- Sanfte Massage: Massiere die Brust sanft in kreisenden Bewegungen Richtung Brustwarze (kein starker Druck!).
- Nähe zum Baby: Schau dir ein Foto oder Video deines Babys an oder schnupper an einem getragenen Strampler. Das löst Oxytocin aus.
- Entspannung: Setz dich bequem hin, trink ein Glas Wasser oder Tee und versuche, nicht auf die Flasche zu starren. Decke die Flasche ggf. mit einer Socke ab, damit du nicht kontrollierst, wie viel kommt.
3. Sofortmaßnahme: Die "Handentleerung"
Wenn die Brust sehr voll und prall ist, kann die Pumpe das Gewebe oft nicht richtig fassen, da alles zu gespannt ist.
- Versuche, die Milch mit der Hand auszustreichen (Marmet-Technik). Oft löst das den ersten Stau, das Gewebe wird weicher und die Pumpe kann danach besser greifen.
- Druck lindern: Wenn der Vorhof sehr hart ist, drücke ihn mit den Fingern sanft Richtung Brustkorb zurück (Reverse Pressure Softening), damit die Milchkanäle frei werden.
4. Was du vermeiden solltest
- Zu viel Sog: Schalte die Pumpe nicht auf die höchste Stufe, in der Hoffnung, dass dann mehr kommt. Das verursacht Schmerzen, was den Milchfluss erst recht stoppt und das Gewebe verletzen kann.
- Druck: Drücke den Pumpentrichter nicht zu fest gegen die Brust. Das quetscht die Milchgänge ab.
Wann solltest du Hilfe suchen?
Wenn die Brust hart ist, rote Stellen aufweist, du Schüttelfrost oder Fieber bekommst, könnte sich ein Milchstau oder eine Brustentzündung (Mastitis) entwickeln. In diesem Fall:
- Kontaktiere zeitnah deine Hebamme oder eine Stillberaterin (IBCLC).
- Kühle die Brust nach dem (versuchten) Pumpen.
- Gehe zum Arzt, wenn die Symptome innerhalb weniger Stunden nicht besser werden.
Kurztipp für jetzt: Wärme drauf, Baby-Foto anschauen, tief durchatmen und erst mal versuchen, ein paar Tropfen per Hand auszustreichen.