Was ist der chemische Unterschied zwischen Kieselerde und Kieselsäure?

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Obwohl die Begriffe „Kieselerde“ und „Kieselsäure“ im Alltag oft synonym verwendet werden, gibt es aus chemischer und biologischer Sicht deutliche Unterschiede.

Hier ist die Gegenüberstellung:

1. Kieselerde (Silicea)

Kieselerde ist ein eher geologischer und umgangssprachlicher Begriff. Es handelt sich dabei um ein Mineralgemisch, das hauptsächlich aus Siliciumdioxid ($SiO_2$) besteht.

  • Chemische Formel: Vorwiegend $SiO_2$ (ähnlich wie Quarz oder Sand).
  • Zustand: Ein Feststoff, meist in Form von Pulver. Es ist wasserunlöslich.
  • Gewinnung: Meist aus Ablagerungen von fossilen Kieselalgen (Diatomeenerde) oder durch Mahlen von quarzhaltigem Gestein.
  • Bioverfügbarkeit: Da Kieselerde wasserunlöslich ist, kann der menschliche Körper sie nur sehr schwer aufnehmen. Ein Großteil wird ungenutzt wieder ausgeschieden.

2. Kieselsäure (Silicic Acid)

Kieselsäure ist ein präziser chemischer Begriff. Er bezeichnet Verbindungen von Siliciumdioxid mit Wasser.

  • Chemische Formel: Die einfachste Form ist die Orthokieselsäure ($H_4SiO_4$).
  • Zustand: In Wasser gelöst oder als „Gel“ (kolloidale Form).
  • Eigenschaft: Kieselsäure ist die Form, in der Silicium für Pflanzen und Tiere biologisch verwertbar ist.
  • Bioverfügbarkeit: In gelöster (kolloidaler) Form kann sie vom Körper wesentlich besser über den Darm aufgenommen werden als die feste Kieselerde.

Der chemische Zusammenhang

Man kann sich den Unterschied wie folgt vorstellen: Kieselerde ist die „trockene“, mineralische Form, während Kieselsäure die „hydratisierte“ (mit Wasser verbundene) Form ist.

Chemisch gesehen ist Kieselsäure die Säure, die zum Anion Silikat gehört. Wenn man Kieselsäure komplett entwässert, bleibt Siliciumdioxid (Kieselerde) übrig: $$H_4SiO_4 \rightarrow SiO_2 + 2 H_2O$$

Zusammenfassung der Unterschiede

Merkmal Kieselerde Kieselsäure
Chemische Basis Siliciumdioxid ($SiO_2$) Silicium-Sauerstoff-Wasserstoff-Verbindung ($H_4SiO_4$)
Löslichkeit Unlöslich in Wasser Löslich (oder fein verteilt als Gel)
Vorkommen Sand, Quarz, Diatomeenerde Ackerschachtelhalm, gelöst im Wasser, im Körper
Aufnahme (Körper) Sehr gering (schwer verwertbar) Hoch (gut bioverfügbar)

Hinweis zur Verwendung als Nahrungsergänzung

In Drogerien verkaufte „Kieselerde“ besteht oft aus sehr fein gemahlenem Sedimentgestein. Wer Silicium für Haare, Haut oder Nägel einnehmen möchte, sollte darauf achten, ob es sich um reine Kieselerde (schlechte Aufnahme) oder um Präparate mit kolloidaler Kieselsäure oder Extrakten (z. B. aus Ackerschachtelhalm) handelt, da diese effektiver vom Körper verwertet werden können.