Was bedeuten die Sicherheitsstufen bei Vorhängeschlössern?
Sicherheitsstufen bei Vorhängeschlössern dienen dazu, dem Käufer eine Orientierungshilfe zu geben, wie widerstandsfähig ein Schloss gegen Aufbruchversuche ist.
Das Wichtigste vorab: Es gibt keine weltweit einheitliche Skala. Die meisten großen Hersteller haben ihre eigenen Systeme, und daneben gibt es eine offizielle europäische Norm.
Hier ist die Aufschlüsselung, was diese Stufen bedeuten:
1. Herstellerspezifische Skalen (z. B. ABUS, Burg-Wächter)
Da es keine gesetzliche Pflicht für eine einheitliche Kennzeichnung gibt, nutzen Marken eigene Skalen.
- ABUS: Verwendet meist eine Skala von 1 bis 10 (manchmal bis 15).
- 1–3: Basisschutz (Geringes Diebstahlrisiko, z. B. für Werkzeugkisten oder Schrankfächer).
- 4–6: Mittlere Sicherheit (z. B. für Kellertüren oder Gartentore).
- 7–10+: Hohe Sicherheit (Hohes Diebstahlrisiko, z. B. für wertvolle Gegenstände, gewerbliche Anlagen oder Container).
- Burg-Wächter: Nutzt oft Symbole oder Skalen bis 10, um die Widerstandsfähigkeit einzustufen.
- Master Lock: Verwendet ebenfalls meist eine Skala von 1 bis 10.
Wichtig: Eine „Stufe 7“ bei Hersteller A muss nicht exakt so sicher sein wie „Stufe 7“ bei Hersteller B. Die Skalen sind nur innerhalb der Marke vergleichbar.
2. Die offizielle Europäische Norm (CEN / EN 12320)
Für den professionellen und versicherungstechnischen Bereich gibt es die Norm EN 12320. Hier werden Schlösser in Grades (Klassen) von 1 bis 6 eingeteilt:
- Grade 1: Geringe Sicherheit.
- Grade 2: Haushaltsübliche Sicherheit.
- Grade 3: Mittlere Sicherheit (oft das Minimum für Versicherungen im gewerblichen Bereich).
- Grade 4: Hohe Sicherheit (sehr schwer zu knacken).
- Grade 5: Sehr hohe Sicherheit (hochfester Stahl, spezieller Bohrschutz).
- Grade 6: Höchste Sicherheit (für militärische oder hochsensible Bereiche).
3. Welche Faktoren bestimmen die Sicherheitsstufe?
Die Einstufung erfolgt durch verschiedene Tests im Labor. Dabei wird geprüft:
- Bügelstärke und Material: Besteht der Bügel aus einfachem Stahl, gehärtetem Stahl oder speziellen Legierungen (z. B. Bor-Stahl)? Wie dick ist er (Schutz gegen Bolzenschneider)?
- Zylindertyp: Wie kompliziert ist das Schloss zu „picken“ (Manipulation mit Spezialwerkzeug)? Wie viele Stifte hat der Zylinder?
- Aufbohrschutz: Gibt es gehärtete Platten vor dem Zylinder, die einen Bohrer abwehren?
- Zugfestigkeit: Wie viel Kraft (in Tonnen) ist nötig, um den Bügel einfach aus dem Schlosskörper herauszureißen?
- Torsion / Verdrehen: Hält das Schloss stand, wenn man den Bügel mit Gewalt verdreht?
4. Welches Schloss für welchen Zweck?
| Einsatzbereich | Empfohlene Stufe (1-10 Skala) | Empfohlener CEN Grade |
|---|---|---|
| Koffer, Tagebuch | 1–2 | - |
| Spind im Fitnessstudio | 3–4 | Grade 1–2 |
| Kellerabteil, Gartenhaus | 5–7 | Grade 3 |
| Hohe Werte (E-Bike, Lagerhalle, Container) | 8–10 | Grade 4–6 |
Fazit
Wenn Sie ein Schloss kaufen, schauen Sie zuerst auf die Skala des Herstellers. Wenn es jedoch um Versicherungsauflagen geht (z. B. für ein teures Fahrrad oder ein Firmenlager), sollten Sie auf die CEN-Klasse (EN 12320) achten, da diese objektiv geprüft ist.
Zusatz-Tipp: Das sicherste Schloss nützt nichts, wenn die Überfalle (die Öse, an der das Schloss hängt) schwach ist. Ein massives Schloss an einer dünnen Blechöse lässt sich einfach mitsamt der Öse abreißen.