Warum wirken bestimmte Insektenschutzsprays nicht gegen alle Arten von stechenden Insekten?
Dass ein Insektenschutzspray (Repellent) nicht gegen alle stechenden Insekten gleichermaßen hilft, liegt an der komplexen Biologie der Insekten und der chemischen Wirkweise der Inhaltsstoffe.
Hier sind die Hauptgründe für die unterschiedliche Wirksamkeit:
1. Unterschiedliche Such- und Ortungsmechanismen
Insekten nutzen verschiedene Sinne, um ihre Opfer zu finden. Ein Wirkstoff, der einen Sinn stört, lässt einen anderen vielleicht völlig unbeeindruckt:
- Stechmücken: Orientieren sich primär an CO2 (Ausatemluft), Körpergeruch (Milchsäure, Ammoniak) und Wärme. Repellents wie DEET blockieren diese Geruchsrezeptoren.
- Zecken: Warten oft passiv ab und reagieren stark auf Buttersäure und Erschütterungen. Da sie keine fliegenden Jäger sind, müssen Repellents bei ihnen oft viel stärker konzentriert sein, um eine Wirkung zu zeigen.
- Bremsen: Diese sind Sichtjäger. Sie reagieren stark auf Bewegung und Wärme. Da sie sich weniger auf feine Geruchsnouancen verlassen als Mücken, wirken chemische „Geruchsblocker“ bei ihnen oft nur sehr schwach oder gar nicht.
2. Die spezifischen Wirkstoffe
Nicht jeder Wirkstoff ist ein Allrounder. Hier ein Überblick über die gängigsten Mittel:
- DEET (Diethyltoluamid): Gilt als Goldstandard. Es wirkt gegen die meisten Mücken, Zecken und Fliegen, ist aber in niedrigen Konzentrationen gegen Zecken oft weniger effektiv als gegen Mücken.
- Icaridin: Gilt als sehr wirksam gegen Mücken und Zecken und ist dabei hautverträglicher als DEET. Es wird jedoch oft als weniger effektiv gegen tropische Mückenarten oder bestimmte Fliegenarten eingeschätzt.
- IR3535: Wirkt gut gegen europäische Mücken, verliert aber bei aggressiveren tropischen Arten oder bestimmten Zeckenarten oft an Boden.
- Citriodiol (PMD): Ein natürlicher Wirkstoff (aus Eukalyptus). Er wirkt gut, verfliegt aber deutlich schneller als synthetische Mittel, weshalb der Schutz gegen Zecken oft nach kurzer Zeit nachlässt.
3. Konzentration und Schutzdauer
Auf vielen Sprays steht beispielsweise „bis zu 8 Stunden Schutz gegen Mücken“ und „bis zu 4 Stunden gegen Zecken“. Das liegt daran, dass Zecken robuster sind und eine höhere Wirkstoffkonzentration auf der Haut benötigen, um abgeschreckt zu werden. Sobald der Wirkstoff durch Schweiß oder Verdunstung leicht abnimmt, „trauen“ sich Zecken bereits wieder zu, während Mücken noch fernbleiben.
4. Regionale Unterschiede und Resistenzen
Insekten in den Tropen (z. B. die Dengue- oder Anopheles-Mücke) reagieren oft anders auf Repellents als heimische Wald-und-Wiesen-Mücken. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass einige Insektenpopulationen eine gewisse Toleranz gegenüber weit verbreiteten Wirkstoffen wie DEET entwickeln können.
5. Individuelle Faktoren (Der „Lockstoff Mensch“)
Jeder Mensch verströmt eine andere chemische Signatur. Die Wirksamkeit eines Sprays hängt auch davon ab, wie stark der Eigengeruch des Menschen den Schutzfilm des Repellents „durchbricht“. Wenn jemand besonders attraktiv für Mücken ist (hohe CO2-Abgabe, spezifische Bakterien auf der Haut), versagen schwächere Sprays schneller.
Zusammenfassung: Welches Spray hilft wogegen?
- Gegen Mücken: Die meisten Standard-Sprays (Icaridin oder DEET) funktionieren gut.
- Gegen Zecken: Achten Sie auf den expliziten Hinweis „auch gegen Zecken“ und eine höhere Wirkstoffkonzentration.
- Gegen Bremsen: Hier helfen oft nur Spezialprodukte mit sehr hohem DEET-Anteil, und selbst diese bieten keinen 100%igen Schutz, da Bremsen sehr hartnäckig sind.
Tipp: Wenn Sie in ein Gebiet mit hoher Zeckenlast oder in die Tropen reisen, sollten Sie immer Produkte wählen, die speziell für diese Anforderungen getestet wurden, und das Spray häufiger nachlegen als auf der Packung angegeben, besonders wenn Sie schwitzen.