Warum wird die Quarktasche in manchen Regionen sprachlich mit anderen Gebäckarten verwechselt?
Die Verwechslung oder unterschiedliche Benennung der Quarktasche in verschiedenen Regionen ist ein klassisches Beispiel für die dialektale Vielfalt der deutschen Sprache, insbesondere im Bereich des Gebäcks.
Es gibt dafür mehrere Gründe, die von unterschiedlichen Bezeichnungen für die Grundzutat bis hin zu historischen Einflüssen reichen:
1. Die Bezeichnung der Grundzutat (Quark vs. Topfen)
Der offensichtlichste Grund ist die Benennung der Füllung.
- Nord- und Mitteldeutschland: Hier sagt man Quark, daher ist die „Quarktasche“ der Standardbegriff.
- Süddeutschland und Österreich: Hier heißt Quark Topfen. Folglich sucht man dort vergeblich nach einer Quarktasche und findet stattdessen das Topfentascherl oder die Topfengolatsche. Wer den Begriff „Quark“ nicht gewohnt ist, ordnet das Gebäck sprachlich anders ein.
2. Die Form vs. der Teig (Tasche vs. Golatsche vs. Plunder)
Oft wird das Gebäck nicht nach der Füllung, sondern nach der Form oder der Teigart benannt, was zu Überschneidungen führt:
- Golatsche: In Ostösterreich und Teilen Bayerns ist die „Golatsche“ (vom slawischen kolač für Kuchen) verbreitet. Eine Golatsche ist meist quadratisch, wobei die Ecken zur Mitte geschlagen sind. Eine „Tasche“ hingegen ist oft rechteckig und einmal umgeklappt. In manchen Regionen wird beides synonym verwendet, in anderen streng unterschieden.
- Plunder: Da Quarktaschen meist aus Plunderteig bestehen, werden sie in manchen Regionen einfach unter dem Sammelbegriff „Quarkplunder“ geführt. In Rheinland-Pfalz oder Hessen sagt man oft auch schlicht „Teilchen“ oder „Stückchen“, was für Auswärtige sehr unspezifisch klingt.
3. Verwechslung mit dem „Prasselkuchen“ oder „Quarkstriezel“
In Sachsen und Thüringen gibt es Gebäckarten, die der Quarktasche geschmacklich sehr ähnlich sind, aber anders aussehen:
- Der Prasselkuchen hat oft eine Quarkschiene, ist aber mit Streuseln bedeckt und wird vom Blech geschnitten.
- Daher wird die Quarktasche dort manchmal begrifflich mit dem Quarkteilchen (rund mit Klecks in der Mitte) vermischt.
4. Die „Apfeltaschen-Analogie“
Die Quarktasche teilt sich die Optik oft mit der Apfeltasche. In Bäckereien, die beide Varianten führen und beide mit Puderzucker oder Glasur überziehen, sind sie von außen kaum zu unterscheiden. Das führt dazu, dass der Begriff „Tasche“ oft als Gattungsbegriff für „gefülltes Blätterteiggebtäck“ wahrgenommen wird, wobei die Füllung zweitrangig für die Benennung ist.
5. Der „Pfannkuchen-Äquator“ als Kontext
Die Verwirrung um die Quarktasche ist eingebettet in ein generelles Chaos der deutschen Gebäcknamen. Wer in Berlin einen „Pfannkuchen“ bestellt, bekommt einen Krapfen (Berliner). Wer in Sachsen eine „Bemme“ bestellt, meint ein Brot. In diesem Kontext haben sich regionale Begriffe so stark verfestigt, dass die „Quarktasche“ (als eher hochdeutscher Begriff) oft als „Preußisch“ wahrgenommen oder durch lokale Traditionen (wie die Topfengolatsche) ersetzt wird.
Zusammenfassung:
Die Verwechslung ist meist keine echte Verwechslung im Sinne eines Irrtums, sondern ein Zusammenprall von Sprachgebieten. Was der Hamburger „Quarktasche“ nennt, ist für den Wiener eine „Topfengolatsche“ und für den Frankfurter vielleicht einfach ein „Quarkstückchen“. Die Form (geklappt vs. eingeschlagen) und der Name des Quarks (Topfen) sind dabei die Hauptfaktoren für die begriffliche Unschärfe.