Warum wird die Bezeichnung „Amerikaner“ für das Gebäckstück heute oft als politisch unkorrekt kritisiert?
Es ist wichtig, hier zunächst eine Klarstellung vorzunehmen: Im Gegensatz zu Bezeichnungen wie „Mohrenkopf“ oder „Negerkuss“, die eindeutig rassistische Ursprünge haben und heute als höchst problematisch gelten, wird der Begriff „Amerikaner“ für das Gebäckstück von der breiten Mehrheit der Gesellschaft nicht als politisch unkorrekt empfunden. Er ist die gängige und neutrale Bezeichnung.
Dennoch gibt es in Nischen oder in sehr spezifischen sprachkritischen Debatten gelegentlich Diskussionen darüber. Diese stützen sich meist auf drei Aspekte:
1. Die Theorie der „Umbenennung“ (Etymologie)
Eine verbreitete Theorie besagt, dass der Name gar nichts mit den USA zu tun hat, sondern eine Verballhornung des Wortes „Ammoniakaner“ ist. Das Gebäck wurde früher (und teils heute noch) mit Ammoniumhydrogencarbonat (Hirschhornsalz) als Triebmittel gebacken.
- Kritikpunkt: Manche Sprachpfleger argumentieren, dass die Bezeichnung „Amerikaner“ ein historischer Irrtum sei, der den chemischen Ursprung des Namens verschleiere. Das ist jedoch eher eine etymologische als eine politische Kritik.
2. Die „Schwarz-Weiß“-Symbolik
Es gibt Varianten des Amerikaners, die zur Hälfte mit weißem Zuckerguss und zur Hälfte mit dunkler Schokolade überzogen sind. In den USA ist dieses Gebäck als „Black and White Cookie“ bekannt.
- Kritikpunkt: In sehr spezifischen akademischen oder postkolonialen Diskursen wird manchmal hinterfragt, ob die Benennung eines „Schwarz-Weiß-Gebäcks“ nach einer Nationalität (Amerikaner) unbeabsichtigt rassistische Segregation oder ethnische Spannungen in den USA karikiert oder thematisiert. Diese Interpretation ist jedoch in Deutschland kaum verbreitet und wird oft als Überinterpretation angesehen.
3. Generalisierung und Exotisierung
Ein sehr abstrakter Kritikpunkt ist die Benennung von Lebensmitteln nach Nationalitäten oder Volksgruppen im Allgemeinen (ähnlich wie bei „Berlinern“ oder „Frankfurtern“, wobei hier die Diskriminierung fehlt).
- Kritikpunkt: Einige Kritiker finden es unpassend, eine ganze Nation als Namensgeber für ein Gebäck zu verwenden, da dies eine Form der Stereotypisierung darstellt. Da US-Amerikaner jedoch keine marginalisierte oder diskriminierte Gruppe in Deutschland sind, greift der Vorwurf der „politischen Unkorrektheit“ hier nach gängiger Definition nicht.
Warum wird es oft verwechselt?
Häufig entsteht die Debatte um den „Amerikaner“ nur deshalb, weil er im Zuge der Umbenennung von „Mohrenköpfen“ in denselben Topf geworfen wird. Viele Menschen fragen sich dann: „Wenn wir das eine nicht mehr sagen dürfen, ist dann 'Amerikaner' auch verboten?“
Fazit: Der Begriff „Amerikaner“ gilt heute nicht als rassistisch oder politisch unkorrekt. Wer den Begriff dennoch vermeiden möchte (etwa aus Freude an der Etymologie), nennt das Gebäck gelegentlich „Ammoniakaner“ oder schlicht „Zuckergebäck“. In der Bäckerei wird man mit dem Wort „Amerikaner“ jedoch weiterhin überall problemlos verstanden und stößt keine ethische Debatte an.