Warum werden klassische Pommes Frites in der Regel zweimal in Öl frittiert?
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Das doppelte Frittieren ist das Geheimnis für die perfekte Pommes Frites: außen knusprig und goldbraun, innen weich und kartoffelig. Jeder der beiden Durchgänge erfüllt dabei eine spezifische chemische und physikalische Aufgabe:
1. Der erste Durchgang: Das Garen (Blanchieren)
- Temperatur: ca. 140 °C bis 160 °C.
- Ziel: Die Kartoffel im Inneren vollständig durchzugaren, ohne dass sie außen bereits braun oder hart wird.
- Was passiert? Die Stärke in der Kartoffel verkleistert (sie nimmt Feuchtigkeit auf und wird weich). Gleichzeitig tritt ein Teil des Wassers aus der äußeren Schicht der Pommes aus. Die Pommes sehen nach diesem Schritt oft noch blass und etwas „labberig“ aus.
2. Die Ruhephase
Zwischen dem ersten und zweiten Frittieren lässt man die Pommes abkühlen (idealerweise sogar vollständig).
- Warum? Während des Abkühlens festigt sich die Struktur der Oberfläche. Die Restfeuchtigkeit im Inneren verteilt sich gleichmäßig, und die Oberfläche trocknet leicht ab. Dies ist entscheidend, damit sie im zweiten Schritt richtig knusprig wird.
3. Der zweite Durchgang: Das Knusprigbacken
- Temperatur: ca. 175 °C bis 190 °C.
- Ziel: Eine goldbraune Kruste und das typische Aroma.
- Was passiert?
- Maillard-Reaktion: Bei den hohen Temperaturen reagieren Aminosäuren und Zucker an der Oberfläche der Kartoffel. Das sorgt für die braune Farbe und den röstigen Geschmack.
- Verdampfung: Das restliche Wasser an der Oberfläche verdampft schlagartig, wodurch die charakteristische Kruste entsteht. Da das Innere bereits gar ist, muss die Pommes nur noch kurz (ca. 2–3 Minuten) ins Öl, was verhindert, dass sie zu viel Fett aufsaugt oder austrocknet.
Zusammenfassung der Vorteile:
- Textur-Kontrast: Nur durch das zweistufige Verfahren bekommt man den extremen Gegensatz zwischen der harten Kruste und dem fast püree-artigen Kern.
- Weniger Fett: Würde man versuchen, die Pommes in einem Durchgang bei hoher Hitze zu garen, wäre die Außenseite verbrannt, bevor das Innere gar ist. Bei niedriger Hitze in einem Durchgang würden die Pommes hingegen sehr viel Öl aufsaugen und fettig-weich werden.
- Vorbereitung (Gastro-Vorteil): Restaurants können große Mengen Pommes einmal „vorfrittieren“ und bei einer Bestellung innerhalb von zwei Minuten frisch und knusprig fertigstellen.
Pro-Tipp: Für die absolut besten Ergebnisse legen viele Köche die Pommes vor dem ersten Frittieren in Wasser, um überschüssige Stärke abzuwaschen, und frieren sie nach dem ersten Frittieren sogar kurz ein. Das zerstört die Zellstruktur noch weiter und macht sie innen noch fluffiger.