Warum werden Pommes Frites im englischsprachigen Raum als „French Fries“ bezeichnet?
Die Bezeichnung „French Fries“ ist ein klassisches Beispiel für ein kulinarisches Missverständnis. Obwohl der Name vermuten lässt, dass die Pommes aus Frankreich stammen, liegt ihr Ursprung höchstwahrscheinlich in Belgien.
Es gibt drei Haupttheorien, warum sie im Englischen dennoch „French Fries“ genannt werden:
1. Die Theorie der US-Soldaten (Erster Weltkrieg)
Dies ist die populärste Erklärung: Während des Ersten Weltkriegs waren amerikanische Soldaten in Belgien stationiert. In der Region (Wallonien), in der sie sich befanden, war Französisch die Amtssprache und auch die Sprache der belgischen Armee.
Als die Soldaten die frittierten Kartoffelstäbchen probierten und sie liebten, nannten sie diese einfach „French Fries“, weil sie dachten, sie befänden sich in Frankreich oder würden von Franzosen bekocht. Nach ihrer Rückkehr in die USA verbreiteten sie den Namen.
2. Die sprachwissenschaftliche Theorie („to french“)
Im Englischen gibt es das Verb „to french“, was so viel bedeutet wie „in schmale Streifen schneiden“ (ähnlich dem deutschen Julienne-Schnitt). Nach dieser Theorie hießen sie ursprünglich „Frenched Fries“ (also „gestreifte Fritten“). Im Laufe der Zeit fiel das „-ed“ am Ende weg, und es blieb „French Fries“ übrig.
3. Thomas Jefferson und die französische Küche
Eine weitere historische Spur führt zum dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson (1743–1826). Er war Ende des 18. Jahrhunderts Gesandter in Paris und brachte viele Rezepte mit nach Amerika. In einem seiner Manuskripte erwähnte er „potatoes served in the French manner“ (Kartoffeln auf französische Art serviert).
Zu dieser Zeit war Frankreich führend in der Kochkunst, und das Frittieren in tiefem Fett galt als französische Spezialität. Daher wurde der Begriff „French“ oft synonym für diese Zubereitungsart verwendet.
Wer hat sie denn nun wirklich erfunden?
Historiker sind sich weitgehend einig, dass die Pommes Frites aus dem Maastal im heutigen Belgien stammen. Dort war es im späten 17. Jahrhundert üblich, kleine Fische zu frittieren. Wenn im Winter die Flüsse zugefroren waren und man keine Fische fangen konnte, schnitten die Bewohner Kartoffeln in Fischform und frittierten diese als Ersatz.
Interessanter Fakt am Rande: Im britischen Englisch werden sie übrigens meistens nicht „French Fries“, sondern einfach „Chips“ genannt (wie bei Fish and Chips). Mit „Fries“ meinen die Briten oft nur die ganz dünnen Varianten, wie man sie von Fast-Food-Ketten kennt.