Warum werden in Krankenhäusern und öffentlichen Gebäuden oft Türklinken aus Kupfer oder speziellen Legierungen verwendet?
In Krankenhäusern und öffentlichen Gebäuden werden Türklinken, Handläufe und Armaturen oft aus Kupfer oder speziellen Kupferlegierungen (wie Messing oder Bronze) gefertigt, weil Kupfer eine natürliche antimikrobielle Wirkung besitzt.
Dieser Effekt wird als Oligodynamie bezeichnet. Hier sind die Details, warum das so wichtig ist:
1. Abtötung von Krankheitserregern (Kontakt-Eliminierung)
Kupferoberflächen wirken aktiv gegen eine Vielzahl von Mikroorganismen. Wenn Bakterien, Viren oder Pilze auf eine Kupferoberfläche gelangen, passiert Folgendes:
- Ionenfreisetzung: Die Oberfläche gibt Kupferionen ab.
- Zerstörung der Zellmembran: Diese Ionen greifen die äußere Schutzschicht (Membran) der Mikroorganismen an und machen sie durchlässig.
- Stoffwechselstopp: Die Ionen dringen in die Zelle ein und blockieren lebenswichtige Enzyme.
- DNA-Zerstörung: Schließlich wird das Erbgut (DNA oder RNA) des Erregers zerstört, was auch verhindert, dass Bakterien Resistenzen entwickeln können.
Studien haben gezeigt, dass Kupfer innerhalb weniger Minuten bis Stunden über 99,9 % der Bakterien (wie z. B. E. coli oder Staphylokokken) abtötet.
2. Kampf gegen Krankenhauskeime (MRSA)
In Krankenhäusern sind sogenannte "Supererreger" wie MRSA (multiresistente Staphylokokken) ein großes Problem. Diese Keime sind gegen viele Antibiotika resistent. Kupfer tötet diese Erreger zuverlässig ab, während sie auf herkömmlichen Edelstahloberflächen oder Kunststoff tagelang überleben können.
3. Unterbrechung von Infektionsketten
Türklinken sind "Hotspots" für die Übertragung von Krankheiten. Eine infizierte Person berührt die Klinke, und der nächste nimmt die Keime auf (Schmierinfektion). Da Kupfer die Keime zwischen zwei Benutzungen aktiv reduziert, wird das Risiko einer Kreuzkontamination massiv gesenkt.
4. Warum nicht nur Edelstahl?
Edelstahl sieht zwar sauber aus und lässt sich gut reinigen, er ist aber biologisch inert. Das bedeutet, Edelstahl hat keine eigene keimtötende Wirkung. Wenn er nicht ständig desinfiziert wird, bleiben Keime darauf aktiv. Kupfer hingegen arbeitet "passiv" rund um die Uhr.
5. Legierungen (Messing und Bronze)
Reines Kupfer ist recht weich und teuer. Deshalb verwendet man oft Legierungen wie Messing (Kupfer und Zink) oder Bronze (Kupfer und Zinn). Diese sind härter und widerstandsfähiger, behalten aber – sofern der Kupferanteil hoch genug ist (meist über 60 %) – ihre antimikrobiellen Eigenschaften.
Zusammenfassung der Vorteile:
- Dauerhafte Wirkung: Der Effekt nutzt sich nicht ab, solange die Oberfläche nicht beschichtet oder lackiert ist.
- Sicherheit: Es ergänzt die normale Reinigung und Desinfektion (ersetzt sie aber nicht!).
- Wirtschaftlichkeit: Trotz höherer Anschaffungskosten können die Kosten durch weniger Infektionen und kürzere Krankenhausaufenthalte gesenkt werden.
Ein interessanter Fakt: Die antimikrobielle Eigenschaft von Kupfer war schon in der Antike bekannt. Die alten Ägypter nutzten Kupfergefäße, um Trinkwasser frisch zu halten und Wunden zu behandeln, ohne die genauen biologischen Hintergründe zu kennen.