Warum eignet sich Kalksandstein aufgrund seiner hohen Rohdichte besonders gut für den Schallschutz in Mehrfamilienhäusern?

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Kalksandstein (KS) gilt im Massivbau als einer der besten Baustoffe für den Schallschutz. Dass dies primär an seiner hohen Rohdichte liegt, hat physikalische und konstruktive Gründe.

Hier sind die wichtigsten Punkte, warum Kalksandstein ideal für Mehrfamilienhäuser ist:

1. Das physikalische Massegesetz

Der wichtigste Grundsatz im Schallschutz von einschaligen, massiven Bauteilen lautet: Je schwerer ein Bauteil, desto weniger lässt es sich durch Schallwellen in Schwingung versetzen.

  • Schallwellen sind im Grunde Luftdruckschwankungen. Treffen diese auf eine Wand, versucht die Energie des Schalls, die Wand wie eine Membran zum Schwingen zu bringen.
  • Aufgrund der hohen Rohdichte (bis zu 2,4 kg/dm³) hat Kalksandstein eine enorme Masse. Diese Trägheit bewirkt, dass die Wand dem Schalldruck einen hohen Widerstand entgegensetzt.
  • Das Ergebnis: Der Schall wird reflektiert oder im Material „geschluckt“, anstatt auf der anderen Seite wieder als Luftschall abgegeben zu werden.

2. Platzersparnis (Schlanke Bauteile)

In Mehrfamilienhäusern ist Wohnfläche teuer. Hier spielt die hohe Dichte ihren wirtschaftlichen Vorteil aus:

  • Um den gesetzlich geforderten Schallschutz zwischen zwei Wohnungen zu erreichen, benötigt man eine bestimmte Flächenmasse (kg/m²).
  • Da Kalksandstein eine so hohe Dichte hat, erreicht er diese Masse bereits bei geringen Wandstärken.
  • Vergleich: Eine Wand aus Kalksandstein kann bei einer Dicke von nur 17,5 cm oder 20 cm oft bessere Schallschutzwerte liefern als eine Wand aus leichteren Baustoffen (wie Porenbeton oder Hochlochziegel), die für den gleichen Effekt deutlich dicker sein müsste. Das spart Platz und schafft mehr vermietbare oder verkaufbare Wohnfläche.

3. Homogenität und Gefüge

Kalksandstein ist ein sehr kompakter, feinpöriger Baustoff ohne große Luftkammern (im Gegensatz zu vielen Hochlochziegeln).

  • In Hohlräumen von Leichtbaustoffen kann es zu Resonanzeffekten kommen, die den Schallschutz bei bestimmten Frequenzen schwächen.
  • Die massive Struktur des Kalksandsteins sorgt für ein gleichmäßiges Schalldämmmaß über ein breites Frequenzspektrum hinweg.

4. Minimierung der Flankenübertragung

Schall wird in Gebäuden nicht nur direkt durch die Wand übertragen, sondern auch über die angrenzenden Bauteile (Decken, flankierende Wände). Man spricht von der Flankenübertragung.

  • Da Kalksandsteinwände schwer und steif sind, leiten sie Schallvibrationen aus anderen Bauteilen weniger stark weiter als leichte, flexible Wände.
  • Dies ist besonders in Mehrfamilienhäusern wichtig, um den Trittschall oder Geräusche aus weit entfernten Wohnungen zu unterbinden.

5. Verarbeitung im Dünnbettverfahren

Kalksandsteine sind maßhaltig und werden meist mit Dünnbettmörtel verklebt.

  • Dadurch entstehen extrem schmale Fugen (ca. 1–2 mm).
  • Die Wand wird zu einem fast monolithischen (einstückigen) Block. Es gibt kaum akustische Schwachstellen durch Fehlstellen im Mörtel oder dicke Lagerfugen, durch die Luftschall dringen könnte.

Zusammenfassung für die Praxis

In einem Mehrfamilienhaus müssen Bewohner vor dem Lärm ihrer Nachbarn geschützt werden (Sprache, Musik, Fernseher). Kalksandstein ermöglicht es Architekten, hochschalldämmende Wohnungstrennwände zu bauen, die gleichzeitig tragfähig und platzsparend sind. Das macht ihn zum Standardmaterial für den urbanen Wohnungsbau.