Warum verursacht Rotwein bei manchen Menschen Kopfschmerzen?

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Das Phänomen, dass Rotwein Kopfschmerzen auslöst – oft schon nach einem einzigen kleinen Glas und noch bevor ein echter Kater entstehen könnte – ist weit verbreitet. Man nennt es im Englischen auch den „Red Wine Headache“ (RWH).

Es gibt nicht die eine Ursache, sondern mehrere Verdächtige. Hier sind die wichtigsten Gründe:

1. Histamine

Histamine sind natürliche Stoffe, die bei der Gärung entstehen. Da Rotwein zusammen mit den Traubenschalen vergoren wird (im Gegensatz zu Weißwein), enthält er deutlich mehr Histamine.

  • Das Problem: Manche Menschen haben einen Mangel an dem Enzym DAO (Diaminoxidase), das Histamin im Körper abbaut. Wenn der Histaminspiegel steigt, weiten sich die Blutgefäße, was zu Kopfschmerzen führen kann.

2. Tannine (Gerbstoffe)

Tannine stecken in den Schalen, Kernen und Stielen der Trauben sowie in den Holzfässern (Barrique). Sie verleihen dem Rotwein seine Struktur und das pelzige Gefühl im Mund.

  • Das Problem: Studien deuten darauf hin, dass Tannine die Freisetzung von Serotonin stimulieren können. Ein zu hoher Serotoninspiegel (oder starke Schwankungen) kann bei empfindlichen Personen Migräne oder Spannungskopfschmerzen auslösen.

3. Quercetin (Der neueste wissenschaftliche Fokus)

Eine aktuelle Studie (2023) der University of California deutet auf ein Flavonoid namens Quercetin hin, das in Weintrauben vorkommt.

  • Das Problem: Wenn Quercetin zusammen mit Alkohol verarbeitet wird, kann es den Abbau von Alkohol in der Leber stören. Es blockiert ein Enzym (ALDH2), das für den Abbau des giftigen Zwischenprodukts Acetaldehyd zuständig ist. Sammlen sich Acetaldehyde im Körper an, führt das zu Gesichtsrötung, Übelkeit und heftigen Kopfschmerzen.
  • Interessant: Trauben, die viel Sonne abbekommen (z. B. teure Weine aus Top-Lagen), produzieren mehr Quercetin.

4. Tyramin

Wie Histamin ist auch Tyramin ein biogenes Amin, das während des Reifeprozesses entsteht.

  • Das Problem: Tyramin kann den Blutdruck erhöhen und dadurch Kopfschmerzen provozieren.

5. Sulfite (Oft fälschlicherweise beschuldigt)

Sulfite werden Wein zugesetzt, um ihn haltbar zu machen. Viele Menschen glauben, sie seien die Hauptursache für Kopfschmerzen.

  • Die Realität: Sulfite lösen eher allergische Reaktionen wie Asthma oder Nesselsucht aus. Zudem enthält Weißwein oder Trockenobst oft deutlich mehr Sulfite als Rotwein, verursacht aber seltener diese spezifischen „Sofort-Kopfschmerzen“.

6. Alkohol und Dehydrierung

Alkohol entzieht dem Körper Wasser und Mineralstoffe. Da Rotwein oft einen höheren Alkoholgehalt hat als Weißwein oder Bier und meist langsamer genossen wird, unterschätzt man oft die dehydrierende Wirkung.


Was kann man dagegen tun?

  1. Viel Wasser trinken: Ein Glas Wasser zu jedem Glas Wein ist die beste Vorbeugung.
  2. Sorten ausprobieren: Manche Menschen vertragen Rebsorten mit dünnerer Schale (wie Pinot Noir / Spätburgunder) besser, da diese weniger Tannine und Histamine enthalten als schwere Weine wie Cabernet Sauvignon oder Syrah.
  3. Qualität prüfen: Billige Weine enthalten oft mehr Zusatzstoffe oder Rückstände, die die Verträglichkeit mindern können. Aber Vorsicht: Auch teure Weine können wegen des hohen Quercetin-Gehalts Kopfschmerzen verursachen.
  4. Antihistaminika: Menschen mit einer Histaminintoleranz hilft manchmal die Einnahme eines Antihistaminikums (vorher mit dem Arzt klären), dies ist jedoch keine Empfehlung für den dauerhaften Weinkonsum.

Fazit: Meist ist es eine Kombination aus der gefäßerweiternden Wirkung von Histaminen und der Störung des Alkoholabbaus durch Stoffe wie Quercetin.