Warum verfärbt sich Kochschinken an den Rändern manchmal gräulich oder schillert regenbogenartig?
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Das ist eine sehr gute Frage, denn beide Phänomene wirken oft beunruhigend, haben aber völlig unterschiedliche (und meist harmlose) Ursachen.
Hier ist die Erklärung für beide Effekte:
1. Warum wird Kochschinken an den Rändern gräulich?
Das Vergrauen ist ein chemischer Prozess, der meist durch Oxidation entsteht.
- Der chemische Hintergrund: Kochschinken wird gepökelt (mit Nitritpökelsalz versetzt), damit er seine rosa Farbe behält. Das Nitrit verbindet sich mit dem Muskelfarbstoff Myoglobin.
- Sauerstoff und Licht: Sobald der Schinken angeschnitten ist und mit Sauerstoff oder (künstlichem) Licht in Kontakt kommt, wird dieser Prozess instabil. Die Pigmente zerfallen, und das Fleisch nimmt seine natürliche, grau-bräunliche Farbe von gegartem Fleisch an.
- Ist das gefährlich? Meistens nein. Wenn der Schinken nur leicht grau ist, aber normal riecht und nicht schmierig ist, ist er lediglich optisch nicht mehr so ansprechend. Wenn er jedoch unangenehm riecht oder eine klebrige Oberfläche hat, sollte er entsorgt werden.
2. Warum schillert der Schinken regenbogenartig?
Dieses Phänomen nennt man Irisieren oder den „Perlmutt-Effekt“. Es ist kein Zeichen von Verderb oder Chemie, sondern ein physikalisches Phänomen.
- Lichtbrechung (Interferenz): Fleisch besteht aus eng gebündelten Muskelfasern. Wenn der Schinken mit einem sehr scharfen Messer quer zur Faser geschnitten wird, entstehen extrem glatte Schnittflächen.
- Die Gitterstruktur: Die Mikrostruktur der Muskelfasern wirkt dann wie ein optisches Gitter (ähnlich wie bei einer CD oder einem Ölfilm auf Wasser). Wenn Licht auf diese Struktur trifft, wird es gebrochen und in seine Spektralfarben zerlegt – es schillert grünlich, rötlich oder bläulich.
- Begünstigende Faktoren: Besonders häufig tritt dies bei sehr magerem Fleisch oder bei gepökelten Waren auf, da durch das Pökeln und Garen die Struktur der Muskelfasern verfestigt wird, was die Lichtbrechung verstärkt.
- Ist das gefährlich? Überhaupt nicht. Es ist sogar oft ein Zeichen dafür, dass das Fleisch eine sehr feste Struktur hat und fachgerecht (mit einem scharfen Schnitt) verarbeitet wurde.
Zusammenfassung
- Graue Ränder: Oxidation durch Luft und Licht (meist harmlos, solange Geruch und Konsistenz stimmen).
- Regenbogenfarben: Harmlose Lichtbrechung an den Muskelfasern (ein rein physikalischer Effekt).
Tipp zur Lagerung: Um das Vergrauen zu verhindern, sollte Kochschinken immer luftdicht verpackt (z. B. in einer Dose oder fest in Folie gewickelt) und dunkel gelagert werden. Schinken in der Metzgertheke wird oft mit einer Abdeckfolie geschützt, um genau diesen Licht- und Sauerstoffeinfluss zu minimieren.