Warum verfärbt sich das Silikon in der Fuge nach kurzer Zeit gelblich?
Das Vergilben von Silikonfugen nach kurzer Zeit ist ein ärgerliches, aber bekanntes Problem. Es gibt dafür verschiedene chemische und physikalische Ursachen. Hier sind die häufigsten Gründe:
1. Kontakt mit chemischen Ausdünstungen (Amine)
Dies ist eine der häufigsten Ursachen für eine schnelle Verfärbung. Silikon reagiert sehr empfindlich auf Amine (Stickstoffverbindungen). Diese finden sich oft in:
- Frischer Farbe oder Lacken: Wenn im selben Raum gestrichen wurde, während das Silikon noch aushärtete.
- Reinigungsmitteln: Viele Haushaltsreiniger enthalten Ammoniak oder andere Amine.
- Dichtstoffen auf anderer Basis: Wenn neben dem Silikon z. B. Polyurethan (PU)-Dichtstoffe oder Kleber verwendet wurden.
2. Dunkelvergilbung (Mangel an Tageslicht)
Manche Silikone (besonders hell formulierte oder bestimmte neutralvernetzende Typen) neigen dazu, gelb zu werden, wenn sie zu wenig UV-Licht abbekommen.
- Das klingt paradox, da UV-Licht oft Dinge ausbleicht, aber bei bestimmten Silikon-Rezepturen stabilisiert Licht die Farbe. In dunklen Ecken, hinter Möbeln oder in fensterlosen Bädern vergilben diese Fugen dann schneller.
3. Kontakt mit unverträglichen Materialien
Silikon kann Stoffe aus benachbarten Materialien "aufsaugen", was zur Verfärbung führt. Man nennt das Weichmacherwanderung oder Kontaktverfärbung:
- Bitumen oder Teer: Schon kleinste Mengen führen zu starken Gelb-/Braunverfärbungen.
- EPDM-Dichtungen: Gummiprofile (z. B. an Fenstern) können Stoffe abgeben, die das Silikon verfärben.
- Holzinhaltsstoffe: Öle oder Beizen aus angrenzendem Holz können in die Fuge ziehen.
4. Nikotin und Küchendämpfe
In Raucherhaushalten setzt sich Nikotin extrem schnell auf der Oberfläche ab und dringt in das noch nicht voll ausgehärtete Silikon ein. Ähnliches gilt für Fett- und Bratendämpfe in der Küche, die einen gelblichen Film bilden.
5. Qualität und Art des Silikons
Es gibt zwei Hauptarten von Silikon:
- Essigvernetzend (acetat): Riecht nach Essig, vergilbt seltener, ist aber nicht für alle Untergründe geeignet (z. B. nicht für Naturstein oder Metall).
- Neutralvernetzend: Riecht kaum, ist materialchonender, neigt aber aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung (Oxime oder Alkoxy) bei Kontakt mit Fremdstoffen eher zur Vergilbung.
- Billigprodukte: Günstige Silikone haben oft einen höheren Anteil an "Streckmitteln" (Extenderölen), die mit der Zeit instabil werden und sich verfärben können.
6. Reinigungsmittel-Rückstände
Wenn beim Glätten der Fuge zu viel Spülmittel (als Glättmittel) verwendet wurde und dieses nicht richtig abgespült wird, können die Inhaltsstoffe des Spülmittels mit dem Silikon reagieren oder Schmutzpartikel binden, die dann gelblich erscheinen.
Was kann man tun?
- Ursache abstellen: Wenn Amine (frische Farbe) die Ursache sind, hilft nur Lüften und Abwarten (oder die Fuge nach dem kompletten Durchtrocknen der Farbe erneuern).
- Reinigen: Versuchen Sie, die Fuge mit einer alten Zahnbürste und einer Paste aus Backpulver und Wasser zu reinigen. Auch spezieller Silikonreiniger kann helfen.
- Erneuern: Wenn die Verfärbung im Material sitzt (chemische Reaktion), lässt sie sich nicht abwaschen. Hier hilft nur: Altes Silikon herausschneiden, Untergrund gründlich reinigen und hochwertiges, UV-stabiles Markensilikon neu einspritzen.
- Richtiges Glättmittel: Verwenden Sie professionelles Glättmittel statt konzentriertem Spülmittel.