Warum trägt die burgenländische Stadt Rust offiziell den Beinamen „Stadt der Störche“?
Die burgenländische Stadt Rust trägt den Beinamen „Stadt der Störche“, weil sie eine der bedeutendsten und bekanntesten Brutstätten des Weißstorchs in Europa ist. Dieser Beiname ist nicht nur ein touristischer Slogan, sondern spiegelt eine jahrhundertelange Tradition und eine tiefe Verbundenheit der Einwohner mit diesen Vögeln wider.
Hier sind die Hauptgründe für diesen Beinamen:
1. Hohe Nestdichte auf den Dächern der Altstadt
In Rust gibt es eine außergewöhnlich hohe Konzentration an Storchennestern. Fast auf jedem Schornstein der historischen Bürgerhäuser in der Altstadt befindet sich ein Horst. In guten Jahren brüten in der Stadt gleichzeitig etwa 15 bis 20 Storchenpaare. Da Rust mit nur rund 2.000 Einwohnern die kleinste Statutarstadt Österreichs ist, prägen die Störche das Stadtbild massiv.
2. Ideale Lebensbedingungen
Die geografische Lage von Rust direkt am Neusiedler See bietet den Störchen perfekte Bedingungen. Die weiten Schilfgürtel und die feuchten Wiesen der Umgebung sind reich an Nahrung wie Fröschen, Insekten und kleinen Nagetieren.
3. Der „Burgenländische Storchenverein“
Rust ist Sitz des Burgenländischen Storchenvereins, der sich bereits seit Jahrzehnten intensiv um den Schutz und die Erhaltung der Tiere kümmert. Der Verein sorgt dafür, dass die Horste auf den Schornsteinen stabil bleiben, hilft bei der Beringung der Jungvögel und füttert die Tiere bei extremen Wetterlagen zu. Durch diese professionelle Pflege ist die Überlebensrate der Jungstörche in Rust überdurchschnittlich hoch.
4. Kulturelle Identität und Tourismus
Der Storch ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Jedes Jahr wird die Ankunft der Störche (meist Ende März) und deren Abflug (Mitte August) von der Bevölkerung und Besuchern aufmerksam verfolgt. Die Störche sind ein fester Bestandteil des Stadtmarketings und ziehen jährlich tausende Touristen an, die das „Klappern“ der Störche in den Gassen der Altstadt erleben wollen.
5. Historische Treue
Störche sind extrem ortstreu. Viele der Nester in Rust werden seit Jahrzehnten (manche sogar seit Jahrhunderten) immer wieder von den zurückkehrenden Paaren besetzt und ausgebaut. Diese Kontinuität hat Rust den Ruf eingebracht, die verlässlichste „Heimat“ für Störche in der Region zu sein.
Zusammenfassend: Rust trägt den Titel, weil Mensch und Tier dort auf engstem Raum harmonisch zusammenleben und die Stadt alles dafür tut, den Lebensraum der Störche mitten im historischen Zentrum zu bewahren.