Warum trägt das Biermischgetränk den Namen „Radler“?
Der Name „Radler“ leitet sich tatsächlich direkt von den Fahrradfahrern ab. Um die Entstehung des Namens rankt sich eine berühmte Legende, auch wenn historische Belege zeigen, dass das Getränk vermutlich schon etwas älter ist.
Hier sind die beiden Erklärungsansätze:
1. Die Legende der Kugler Alm (1922)
Die bekannteste Geschichte besagt, dass der Gastwirt Franz Xaver Kugler den Radler erfunden hat. Er betrieb in den 1920er Jahren die „Kugler Alm“ in Deisenhofen bei München.
An einem heißen Samstag im Juni 1922 sollen ihn angeblich tausende von Fahrradausflüglern überrannt haben. Da seine Biervorräte zur Neige gingen, drohte ihm ein Fiasko. In seiner Not mischte er das verbliebene dunkle Bier zur Hälfte mit Zitronenlimonade. Den Gästen verkaufte er das Getränk als eine spezielle „Erfindung“ für Radfahrer, damit diese nicht betrunken vom Rad fielen und den weiten Heimweg noch sicher bewältigen konnten. Er nannte es die „Radlermaß“.
2. Die historische Realität
Historiker haben herausgefunden, dass die Geschichte von Franz Xaver Kugler zwar sehr charmant, aber wahrscheinlich eine geschickte Marketing-Lüge war.
- Es gibt Belege, dass die „Radlermaß“ bereits um das Jahr 1900 in bayerischen Literaturquellen erwähnt wurde.
- Schon im späten 19. Jahrhundert gründeten sich viele Radfahrvereine. Da das Fahrrad damals ein teures Lifestyle-Objekt des Bürgertums war, kehrten diese Gruppen oft in Gaststätten ein.
- Es war damals üblich, Bier mit Limonade oder Sprudelwasser zu mischen, um an heißen Tagen ein erfrischendes, weniger alkoholisches Getränk zu erhalten, das die sportliche Weiterfahrt ermöglichte.
Zusammenfassung
Der Name „Radler“ wurde gewählt, weil das Getränk speziell auf die Bedürfnisse von Radfahrern zugeschnitten war:
- Durstlöschend: Durch die Limonade und den geringeren Alkoholgehalt erfrischt es besser als reines Bier.
- Sicherheit: Man blieb „fahrtüchtig“ (auch wenn es damals noch keine strengen Promillegrenzen gab, war die Sturzgefahr geringer).
Regionale Unterschiede
Interessant ist, dass das Getränk nicht überall „Radler“ heißt:
- Im Norden Deutschlands (Hamburg/Schleswig-Holstein) nennt man es oft Alsterwasser (oder kurz Alster).
- In der Schweiz und in Frankreich ist es als Panaché (französisch für „gemischt“) bekannt.
- In Bayern gibt es zudem den „Russen“ (Weißbier mit Zitronenlimonade).