Warum stehen die Arbeitsbedingungen auf thailändischen Fischereischiffen für Riesengarnelen oft in der Kritik?
Die Arbeitsbedingungen auf thailändischen Fischerbooten, die eng mit der Produktion von Riesengarnelen (Shrimps) verknüpft sind, stehen seit Jahren international in der Kritik. Thailand ist einer der weltweit größten Exporteure von Zuchtgarnelen, doch hinter der glänzenden Fassade der Supermarktregale verbirgt sich oft ein System aus Ausbeutung und Gewalt.
Hier sind die Hauptgründe für die Kritik:
1. Moderne Sklaverei und Menschenhandel
Viele der Arbeitskräfte auf den Schiffen sind Migranten aus ärmeren Nachbarländern wie Myanmar, Kambodscha oder Laos. Viele von ihnen werden von Menschenhändlern unter falschen Versprechungen („gut bezahlte Jobs in Fabriken“) nach Thailand gelockt. Dort werden sie oft an Kapitäne von Fischerbooten „verkauft“. Ihre Pässe werden eingezogen, und sie müssen ihre vermeintlichen Schulden für den Transport abarbeiten, was oft Jahre dauert.
2. Extreme Arbeitsbedingungen
Die Berichte von Überlebenden und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zeichnen ein düsteres Bild:
- Arbeitszeiten: Schichten von bis zu 20 Stunden am Tag sind keine Seltenheit.
- Gewalt: Körperliche Misshandlungen durch Kapitäne oder Aufseher sind an der Tagesordnung, um die Moral zu brechen oder zur Arbeit zu zwingen.
- Mangelversorgung: Es gibt oft nur wenig Trinkwasser und minderwertiges Essen. Medizinische Versorgung fehlt völlig.
- Isolation: Die Schiffe bleiben oft Monate oder sogar Jahre auf hoher See. Sie werden auf dem Meer von Mutterschiffen mit Treibstoff und Vorräten versorgt, während der Fang abgeholt wird. So haben die Arbeiter keine Chance zur Flucht.
3. Die Verbindung zu den Riesengarnelen (Fischmehl-Problematik)
Oft fragen sich Verbraucher, was Hochseefischerei mit Garnelen zu tun hat, die meist in Aquakulturen an Land gezüchtet werden. Der Zusammenhang ist das Futter:
- Riesengarnelen sind Allesfresser und benötigen Proteine.
- Die thailändische Garnelenindustrie nutzt massenhaft Fischmehl als Futter.
- Dieses Fischmehl wird aus sogenanntem „Beifang“ oder „Trash Fish“ hergestellt – minderwertiger Fisch, der von Schleppnetzkuttern gefangen wird.
- Genau auf diesen Kuttern, die den „billigen“ Fisch für die Fischmehlindustrie fangen, sind die Arbeitsbedingungen am schlechtesten. Damit ist die Garnelenproduktion direkt von Sklavenarbeit in der Fischerei abhängig.
4. Ökologische Zerstörung und ökonomischer Druck
Die thailändischen Gewässer sind massiv überfischt. Um noch genug Fang zu machen, müssen die Boote immer weiter hinausfahren und die Kosten drastisch senken. Da Treibstoffpreise fix sind, wird bei den Lohnkosten gespart – was den Anreiz für unbezahlte Zwangsarbeit erhöht.
5. Mangelnde staatliche Kontrolle und Korruption
Lange Zeit schauten die thailändischen Behörden weg oder waren durch Korruption in das System verwickelt. Polizei und Hafenbehörden erhielten oft Schmiergelder, um die illegale Praxis zu ignorieren oder bei Kontrollen beide Augen zuzudrücken.
Reaktion der internationalen Gemeinschaft
Aufgrund massiver Berichte (u. a. durch den Guardian und Human Rights Watch) reagierte die EU im Jahr 2015 mit einer „Gelben Karte“ (einer Verwarnung wegen illegaler, unregulierter Fischerei). Thailand drohte ein Handelsstopp für Fischereiprodukte.
Was hat sich geändert? Thailand hat daraufhin Gesetze verschärft, ein Überwachungssystem für Schiffe eingeführt und die Registrierung von Migranten verbessert. Die EU hat die „Gelbe Karte“ 2019 wieder aufgehoben. Dennoch berichten NGOs, dass die Probleme in der Praxis oft weiterbestehen, da Kontrollen umgangen werden und die Subunternehmer-Strukturen sehr undurchsichtig bleiben.
Fazit: Wenn Riesengarnelen aus Thailand sehr günstig angeboten werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in der Lieferkette (insbesondere bei der Futterherstellung) Menschenrechte verletzt wurden. Siegel wie das ASC (Aquaculture Stewardship Council) versuchen hier anzusetzen, sind aber aufgrund der komplexen Lieferketten beim Fischmehl ebenfalls nicht immer lückenlos.