Welchen Einfluss hat der weite Transportweg importierter Riesengarnelen auf deren CO2-Bilanz?
Der Einfluss des Transportwegs auf die CO2-Bilanz von importierten Riesengarnelen (meist aus Südostasien wie Vietnam, Thailand oder aus Lateinamerika wie Ecuador) ist signifikant, aber er ist nicht der einzige und oft auch nicht der größte Faktor.
Entscheidend ist vor allem das Transportmittel und die Art der Produktion.
Hier sind die Details zur Aufschlüsselung der CO2-Bilanz:
1. Das Transportmittel: Flugzeug vs. Schiff
Dies ist der wichtigste Faktor innerhalb der Transportlogistik:
- Schiffstransport (Tiefkühlware): Die meisten Riesengarnelen werden gefroren per Container-Schiff transportiert. Da Schiffe gewaltige Mengen laden können, ist der CO2-Ausstoß pro Kilogramm Garnele relativ gering. Er macht oft nur etwa 10 bis 20 % der gesamten CO2-Bilanz aus.
- Flugfracht („Frischware“): Werden Garnelen als „frisch“ (nicht gefroren) per Flugzeug importiert, schnellt die CO2-Bilanz extrem in die Höhe. Der Transport per Flugzeug verursacht etwa 30- bis 50-mal mehr Emissionen als der Seeweg. In diesem Fall dominiert der Transportweg die gesamte Ökobilanz bei weitem.
2. Der „Umweg“ zur Verarbeitung
Ein oft übersehener Faktor ist die globale Arbeitsteilung. Manche Garnelen (vor allem Nordseekrabben, aber teils auch Zuchtgarnelen) werden weite Strecken transportiert, nur um sie dort günstig von Hand zu schälen (z. B. Transport von Europa nach Marokko und zurück). Jeder zusätzliche Kilometer für die Verarbeitung verschlechtert die Bilanz, da Kühlketten aufrechterhalten werden müssen.
3. Produktion vs. Transport (Der „Rucksack“-Effekt)
Obwohl der Transportweg lang ist, entstehen die meisten Emissionen oft schon vor Ort in der Zucht:
- Futter: Die Herstellung von Fischmehl und Soja für das Garnelenfutter ist sehr energieintensiv und CO2-lastig.
- Mangrovenverlust: Dies ist der größte „versteckte“ CO2-Faktor. Wenn für Garnelenfarmen Mangrovenwälder gerodet werden, werden gigantische Mengen an im Boden gespeichertem CO2 freigesetzt. Eine Studie zeigte, dass Garnelen aus Farmen, für die Mangroven zerstört wurden, einen CO2-Fußabdruck haben können, der zehnmal höher ist als der von Rindfleisch.
- Energieaufwand: In den Farmen müssen Pumpen und Belüftungsanlagen oft rund um die Uhr laufen, meist betrieben mit Strom aus fossilen Brennstoffen (Kohle/Diesel).
4. Vergleichswerte (CO2-Äquivalente)
- Importierte Zuchtgarnelen (Tiefgekühlt, Seeweg): ca. 12–15 kg CO2 pro kg Fleisch.
- Importierte Zuchtgarnelen (Frisch, Luftweg): bis zu 50 kg CO2 pro kg Fleisch (oder mehr).
- Regionale Garnelen (Landbasierte Aquakultur in DE/AT/CH): Diese haben zwar keinen weiten Transportweg, aber einen extrem hohen Energiebedarf für die Heizung der Becken. Wenn hier kein Ökostrom genutzt wird, kann die Bilanz ähnlich schlecht sein wie bei Importware, trotz der kurzen Wege.
Zusammenfassung: Wie groß ist der Einfluss?
Der reine weite Transportweg per Schiff ist für die CO2-Bilanz weniger entscheidend als man denkt (oft unter 20 % der Gesamtemissionen).
Viel schwerwiegender wiegen:
- Die Art des Transports: Flugzeug ist ein ökologisches K.O.-Kriterium.
- Die Zuchtmethode: Zerstörung von Mangroven ist der größte Klimakiller.
- Die Kühlkette: Die Aufrechterhaltung der tiefgekühlten Kette über Wochen auf See verbraucht stetig Energie.
Empfehlung für Verbraucher: Wenn Sie auf die CO2-Bilanz achten, wählen Sie Garnelen mit Bio-Siegel (z. B. Naturland oder Bioland) oder ASC-Zertifizierung (wobei Bio strenger ist). Achten Sie darauf, dass die Ware per Schiff kam (Tiefkühlware ist hier meist die sicherere Wahl als „frische“ Flugware) oder greifen Sie auf regionale Indoor-Zuchten zurück, die mit Abwärme oder erneuerbaren Energien arbeiten.