Warum sollte Rotwein nicht bei Zimmertemperatur serviert werden, wenn diese über 20 Grad liegt?

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Die Empfehlung, Rotwein bei „Zimmertemperatur“ zu trinken, stammt aus einer Zeit, in der Wohnhäuser deutlich kühler waren als heute – meist ohne Zentralheizung und mit dicken Steinmauern. Damals lag die Temperatur in den Räumen bei etwa 16 bis 18 Grad.

Wenn die Zimmertemperatur heute bei über 20 Grad (oft 21–23 Grad) liegt, wirkt sich das negativ auf den Wein aus. Hier sind die Hauptgründe:

1. Der Alkohol dominiert

Alkohol wird bei höheren Temperaturen flüchtiger. Wenn ein Rotwein zu warm ist (über 20 °C), steigt der Alkoholgehalt stärker in die Nase. Der Wein riecht dann „spritig“ oder stechend, was die feinen Fruchtaromen und das Bouquet überlagert. Auch am Gaumen wirkt der Wein brandiger und schwerer.

2. Verlust der Struktur und Frische

Wärme lässt den Wein „breit“ und schlaff wirken. Die notwendige Säure, die dem Wein Struktur und Frische verleiht, tritt in den Hintergrund. Ein warmer Wein schmeckt oft plump und verliert seine Eleganz.

3. Die Aromen wirken „matschig“

Feine Nuancen von Beeren, Kräutern oder Gewürzen werden bei zu viel Wärme unpräzise. Der Wein schmeckt eher nach gekochten Früchten oder Marmelade, anstatt lebendig und vielschichtig zu sein.

4. Gerbstoffe (Tannine) verändern sich

Zwar wirken Tannine bei Kälte härter und bei Wärme weicher, aber ab 20 Grad kippt dieses Gleichgewicht oft ins Negative. In Kombination mit dem dominanten Alkohol wirken die Gerbstoffe dann oft eher unangenehm pelzig als gut eingebunden.


Was ist die ideale Temperatur?

Je nach Weintyp gelten folgende Richtwerte:

  • Leichte, fruchtige Rotweine (z. B. Spätburgunder, Bardolino): 14–16 °C
  • Gehaltvolle, schwere Rotweine (z. B. Bordeaux, Barolo, Syrah): 17–18 °C

Wichtig: Der Wein erwärmt sich im Glas ohnehin sehr schnell um 1 bis 2 Grad. Daher ist es besser, ihn etwas zu kühl einzuschenken als zu warm.

Praxistipp für den Sommer:

Wenn Ihr Wohnzimmer 22 Grad warm ist, stellen Sie die Flasche Rotwein etwa 20 bis 30 Minuten vor dem Servieren in den Kühlschrank. So erreicht er die perfekte Trinktemperatur von ca. 17 Grad. Ein Wein, der „kühl“ serviert wird, wirkt deutlich präziser, lebendiger und hochwertiger.

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