Warum sinken die Fruchtstücke in einem industriell hergestellten Joghurt nicht auf den Boden des Bechers ab?
Dass die Fruchtstücke in industriell hergestelltem Joghurt schön gleichmäßig verteilt bleiben und nicht auf den Boden sinken, liegt an einer Kombination aus physikalischen Eigenschaften und speziellen Zusatzstoffen.
Hier sind die drei Hauptgründe:
1. Die Fließgrenze (Der wichtigste physikalische Grund)
Joghurt ist keine einfache Flüssigkeit, sondern ein sogenanntes Nicht-Newtonsches Fluid. Er besitzt eine sogenannte Fließgrenze.
Das bedeutet: Damit sich ein Körper (wie ein Fruchtstück) durch den Joghurt bewegen kann, muss er eine gewisse Mindestkraft aufwenden, um die Struktur des Joghurts zu "durchbrechen". Die Schwerkraft, die auf ein kleines, leichtes Fruchtstück wirkt, ist oft geringer als der Widerstand, den das Protein-Netzwerk des Joghurts entgegensetzt. Das Fruchtstück „steckt“ also im Netzwerk fest, weil es nicht schwer genug ist, um den Joghurt zum Fließen zu bringen.
2. Stabilisatoren und Verdickungsmittel
Bei naturbelassenem Joghurt würde die Molke mit der Zeit austreten und die Struktur instabil werden, wodurch Früchte absinken könnten. In der Industrie werden deshalb Stabilisatoren eingesetzt. Zu den häufigsten gehören:
- Modifizierte Stärke: Sie bindet Wasser und macht den Joghurt dickflüssiger.
- Pektin: Ein pflanzliches Geliermittel (oft aus Äpfeln oder Zitrusfrüchten), das ein feines Netz bildet.
- Johannisbrotkernmehl oder Guarkernmehl: Diese erhöhen die Viskosität enorm.
Diese Stoffe verstärken das oben genannte Protein-Netzwerk des Joghurts so weit, dass die Früchte quasi "eingemauert" werden.
3. Die Viskosität der Fruchtzubereitung
Die Früchte werden dem Joghurt meist nicht pur zugesetzt, sondern als Teil einer sogenannten Fruchtzubereitung. Diese Masse ist bereits für sich genommen sehr zähflüssig (viskos) und enthält oft selbst schon Bindemittel. Wenn diese schwere, klebrige Masse unter den Joghurt gemischt wird, verbindet sie sich so eng mit der Joghurtmatrix, dass eine Trennung der Phasen (Frucht vs. Joghurt) durch die reine Schwerkraft kaum noch möglich ist.
4. Homogenisierung und Kühlkette
Bei der Herstellung wird der Joghurt nach dem Mischen mit den Früchten schnell abgekühlt. Durch die Kälte verfestigen sich die zugesetzten Stabilisatoren und das Milcheiweiß (Kasein) bildet ein stabiles Gerüst. Sobald der Joghurt im Becher ist und ruht, verfestigt sich diese Struktur weiter (Thixotropie), wodurch die Früchte fixiert werden.
Zusammenfassend: Die Lebensmitteltechnologie sorgt dafür, dass der Joghurt eine so hohe innere Festigkeit (Fließgrenze) hat, dass die Schwerkraft der Fruchtstücke nicht ausreicht, um sie nach unten zu ziehen.