Warum sind die Buchstaben auf einer Standard-Tastatur nicht in alphabetischer Reihenfolge angeordnet?

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Die Anordnung der Buchstaben auf einer Standard-Tastatur (QWERTZ im deutschsprachigen Raum oder QWERTY im englischsprachigen) ist kein Zufall, sondern ein Relikt aus der Zeit der mechanischen Schreibmaschinen.

Hier sind die Hauptgründe, warum die Buchstaben nicht alphabetisch sortiert sind:

1. Das Problem der verhakten Typenhebel

In der Frühzeit der Schreibmaschine (Mitte des 19. Jahrhunderts) waren die Buchstaben an langen Metallstäben, den sogenannten Typenhebeln, befestigt. Wenn man eine Taste drückte, schnellte der Hebel nach vorne gegen das Farbband und das Papier.

Bei einer alphabetischen Anordnung lagen Buchstaben, die in der Sprache oft hintereinander benutzt werden (wie im Englischen „S“, „T“ und „U“), direkt nebeneinander. Wenn ein geübter Schreiber diese Tasten sehr schnell nacheinander drückte, passierte Folgendes: Der zweite Hebel schnellte bereits nach oben, während der erste noch auf dem Rückweg war. Die Hebel verhakten sich ineinander, und die Maschine blockierte.

2. Die Lösung von Christopher Sholes

Der Erfinder Christopher Latham Sholes untersuchte 1873 die Häufigkeit von Buchstabenkombinationen. Sein Ziel war es, häufig aufeinanderfolgende Buchstabenpaare räumlich so weit voneinander zu trennen, dass sich ihre Typenhebel beim schnellen Tippen nicht mehr in die Quere kamen.

Er platzierte die Buchstaben also so, dass die Hebel aus verschiedenen Richtungen kamen. Das Ergebnis war das QWERTY-Layout. Entgegen einem weit verbreiteten Mythos ging es nicht primär darum, den Schreiber absichtlich zu verlangsamen, sondern den mechanischen Schreibfluss zu ermöglichen, ohne dass die Maschine ständig klemmte.

3. Warum QWERTZ statt QWERTY?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzen wir das QWERTZ-Layout. Es gibt zwei Hauptgründe für diese Anpassung:

  • Häufigkeit: Das „Z“ wird im Deutschen wesentlich häufiger gebraucht als das „Y“ (das fast nur in Fremdwörtern vorkommt).
  • Kombinationen: Im Deutschen treten „T“ und „Z“ oft gemeinsam auf. Durch den Tausch von Y und Z liegen diese Tasten auf der deutschen Tastatur günstiger.

4. Warum behalten wir das bei, obwohl es keine Hebel mehr gibt?

Heute schreiben wir auf Computern, Laptops und Smartphones, bei denen nichts mehr verhaken kann. Es gäbe theoretisch effizientere Layouts (wie zum Beispiel Dvorak oder Neo), bei denen die häufigsten Buchstaben in der mittleren Reihe liegen, um die Fingerwege zu verkürzen.

Dass wir immer noch das alte System nutzen, liegt an der Macht der Gewohnheit:

  • Millionen von Menschen haben das Zehnfingersystem auf QWERTZ gelernt.
  • Sämtliche Hardware-Produktionen sind darauf standardisiert.
  • Die Kosten und der Aufwand, die gesamte Weltbevölkerung auf ein „besseres“ System umzuschulen, wären gewaltig.

Zusammenfassend: Die Tastatur ist so unlogisch angeordnet, weil die Technik des 19. Jahrhunderts mit dem Alphabet nicht Schritt halten konnte. Wir tippen heute auf einer Lösung für ein Problem, das seit über 50 Jahren gar nicht mehr existiert.