Warum müssen bestimmte Lakritzprodukte in Deutschland als „Starklakritz“ gekennzeichnet werden?
Die Kennzeichnungspflicht für „Starklakritz“ in Deutschland dient primär dem Gesundheitsschutz der Verbraucher. Der entscheidende Faktor ist der Inhaltsstoff Glycyrrhizin, der natürlicherweise in der Süßholzwurzel vorkommt.
Hier sind die Details, warum und ab wann diese Kennzeichnung erfolgen muss:
1. Die Wirkung von Glycyrrhizin
Glycyrrhizin ist für den typischen Geschmack von Lakritz verantwortlich, hat aber bei höherem Konsum Auswirkungen auf den Mineralstoffwechsel des Körpers:
- Blutdruck: Es beeinflusst den Hormonhaushalt (insbesondere das Hormon Aldosteron), was dazu führen kann, dass der Körper vermehrt Natrium zurückhält und Kalium ausscheidet.
- Folgen: Dies kann zu Bluthochdruck, Wassereinlagerungen (Ödemen) und im Extremfall zu Muskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen.
2. Die gesetzlichen Grenzwerte
In Deutschland ist die Kennzeichnung in den „Leitsätzen für feine Backwaren“ bzw. durch spezifische Kennzeichnungsverordnungen geregelt:
- Normales Lakritz: Enthält weniger als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g Produkt. Es muss keinen speziellen Warnhinweis tragen.
- Starklakritz: Produkte, die mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g enthalten, müssen als „Starklakritz“ bezeichnet werden.
- Warnhinweis: Ab diesem Wert (200 mg/100 g) ist zusätzlich der Hinweis verpflichtend: „Enthält Süßholz — bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden.“
3. Extremwerte (über 600 mg)
Liegt der Gehalt sogar über 600 mg pro 100 g, muss ein noch deutlicherer Hinweis auf der Verpackung stehen, der zusätzlich auf den möglichen Kaliumverlust hinweist. Solche Produkte werden oft nur in Apotheken oder spezialisierten Geschäften verkauft (z. B. manche Sorten aus Skandinavien oder reines Erwachsenenlakritz).
4. Risikogruppen
Die Kennzeichnung ist besonders wichtig für Menschen, die bereits unter bestimmten Vorerkrankungen leiden:
- Menschen mit Bluthochdruck.
- Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Schwangere (Studien deuten darauf hin, dass hoher Lakritzkonsum die Entwicklung des Kindes beeinflussen kann).
- Menschen mit Nierenerkrankungen.
Zusammenfassung
Die Bezeichnung „Starklakritz“ ist ein Warnsignal. Sie signalisiert dem Käufer, dass das Produkt eine pharmakologisch relevante Menge Glycyrrhizin enthält, die bei übermäßigem Verzehr die Gesundheit beeinträchtigen kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, täglich nicht mehr als 100 mg Glycyrrhizin aufzunehmen (das entspricht etwa 50 g herkömmlichem Lakritz oder deutlich weniger bei Starklakritz).