Warum kommt es bei der gleichzeitigen Nutzung mehrerer Zapfstellen zu Temperaturabfällen am Durchlauferhitzer?

Melden

Das Phänomen, dass die Wassertemperatur sinkt, wenn an mehreren Stellen gleichzeitig warmes Wasser entnommen wird, hat einen einfachen physikalischen Grund: Die begrenzte maximale Heizleistung des Durchlauferhitzers.

Hier sind die Details, warum das passiert:

1. Die physikalische Grenze (Leistung vs. Durchfluss)

Ein Durchlauferhitzer erwärmt das Wasser in Echtzeit, während es durch das Gerät fließt. Um Wasser von der Leitungstemperatur (ca. 10 °C) auf eine komfortable Duschtemperatur (ca. 38–40 °C) zu bringen, ist eine enorme Menge Energie nötig.

Die Formel lautet vereinfacht: Heizleistung = Durchflussmenge × Temperaturdifferenz × Konstante

Jedes Gerät hat eine maximale kW-Zahl (gängig sind 18, 21 oder 24 kW). Wenn du nur eine Zapfstelle (z. B. die Dusche) nutzt, fließen etwa 10–12 Liter pro Minute hindurch. Dafür reicht die Leistung aus. Öffnest du nun einen zweiten Wasserhahn, erhöht sich die gesamte Durchflussmenge (z. B. auf 18 Liter pro Minute).

Da die maximale Heizleistung (kW) des Geräts aber gleich bleibt, kann das Gerät nicht mehr genug Energie pro Liter Wasser abgeben. Die Folge: Die Temperatur sinkt.

2. Hydraulische vs. Elektronische Durchlauferhitzer

Wie das Gerät auf die Mehrbelastung reagiert, hängt von der Technik ab:

  • Hydraulische Durchlauferhitzer (ältere Technik): Diese Geräte schalten meist nur in zwei oder drei groben Stufen. Wenn der Wasserdruck durch eine zweite Zapfstelle schwankt, bricht die Temperatur oft massiv ein, da das Gerät die Heizleistung nicht fein genug anpassen kann oder der Wasserdruck nicht mehr ausreicht, um die Membran für die Heizstufe zu halten.
  • Elektronische Durchlauferhitzer: Diese messen die Durchflussmenge und die Einlauftemperatur und regeln die Heizleistung präzise nach.
  • Vollelektronische Oberklasse-Geräte: Diese verfügen oft über ein Motorventil. Wenn hier die maximale Heizleistung erreicht ist und eine zweite Zapfstelle geöffnet wird, drosselt das Gerät automatisch die Durchflussmenge, damit die gewählte Temperatur konstant bleibt. Es kommt dann zwar weniger Wasser aus dem Hahn, aber es bleibt heiß.

3. Einfluss der Zulauftemperatur

Besonders im Winter tritt das Problem verstärkt auf. Wenn das kalte Wasser mit nur 5 °C aus der Leitung kommt, muss der Durchlauferhitzer eine viel größere Temperaturdifferenz überbrücken als im Sommer (bei 15 °C Zulauf). Im Winter erreicht das Gerät daher viel schneller seine Leistungsgrenze.

4. Ein Rechenbeispiel

Ein typischer 21-kW-Durchlauferhitzer kann etwa 10,7 Liter Wasser pro Minute um 28 Grad erwärmen (also von 10 °C auf 38 °C).

  • Eine moderne Dusche verbraucht ca. 9–12 Liter pro Minute. Damit ist das Gerät bereits am Limit.
  • Wird gleichzeitig in der Küche der Hahn geöffnet (ca. 5 Liter/Min), müsste das Gerät 15–17 Liter/Min erwärmen. Das schafft ein 21-kW-Gerät physikalisch nicht – die Temperatur muss zwangsläufig sinken.

Zusammenfassung

Der Temperaturabfall ist kein Defekt, sondern eine Leistungsgrenze. Die verfügbare Energie (kW) wird auf eine größere Wassermenge verteilt, wodurch weniger Energie pro Liter übrig bleibt.

Lösungsmöglichkeiten:

  • Nacheinander zapfen.
  • Spar-Duschköpfe (Perlatoren) verwenden, um die Durchflussmenge pro Zapfstelle zu reduzieren.
  • Beim Neukauf auf ein leistungsstarkes (24 kW, sofern der Anschluss das zulässt) und vollelektronisch geregeltes Gerät achten.
0