Warum können sehr ölige Kaffeebohnen das Mahlwerk eines Vollautomaten verstopfen?
Sehr ölige Kaffeebohnen (meist dunkel geröstete Espressoröstungen) können für Kaffeevollautomaten aus mehreren physikalischen und chemischen Gründen problematisch sein. Das Hauptproblem ist, dass das Öl wie ein „Klebstoff“ wirkt.
Hier sind die Details, warum das Mahlwerk verstopft:
1. Bildung einer klebrigen Paste
Beim Mahlen entsteht immer eine gewisse Menge an extrem feinem Kaffeestaub (Micro-Fines). Wenn die Bohnen sehr ölig sind, vermischt sich dieses Öl mit dem Kaffeestaub. Es entsteht eine zähe, klebrige Paste statt eines trockenen, rieselfähigen Pulvers. Diese Paste setzt sich in den Vertiefungen der Mahlscheiben oder des Mahlkegels fest.
2. Verkleben der Mahlgänge
Die Mahlscheiben haben feine Rillen, die das Mahlgut nach außen transportieren. Wenn sich dort die Öl-Kaffee-Mischung festsetzt, wird der Raum zwischen den Scheiben immer enger. Das Mahlwerk „schmiert“ zu. Das Resultat: Es wird immer weniger Kaffee gemahlen, bis schließlich gar nichts mehr durchkommt, obwohl sich der Motor dreht.
3. Blockade im Auswurfschacht
Dies ist die häufigste Ursache für Verstopfungen. Nachdem der Kaffee gemahlen wurde, muss er durch einen Schacht in die Brühgruppe fallen. Da öliges Kaffeemehl sehr stark haftet, bleibt es an den Wänden dieses Schachts kleben. Schicht für Schicht baut sich das Mehl auf, bis der Schacht komplett dicht ist. Die Sensorik der Maschine meldet dann oft „Bohnenbehälter leer“ oder einen allgemeinen Fehler, weil kein Mehl in der Brühkammer ankommt.
4. Erhöhte Reibung und Hitze
Öl leitet Hitze anders als trockene Bohne. Durch die klebrige Konsistenz erhöht sich der Widerstand beim Mahlen. Das Mahlwerk wird heißer, was das Öl noch flüssiger und klebriger macht – ein Teufelskreis. Im schlimmsten Fall kann der Motor des Mahlwerks durch die Überlastung Schaden nehmen oder die Thermosicherung auslösen.
5. „Brückenbildung“ im Bohnenbehälter
Ölige Bohnen rutschen schlechter nach. Sie kleben aneinander oder an den Wänden des Bohnenfachs fest. Es entstehen Hohlräume über dem Mahlwerk (sogenannte Brückenbildung). Das Mahlwerk läuft dann „leer“, weil die Bohnen nicht von selbst in die Öffnung gleiten.
Warum sind manche Bohnen so ölig?
Das Öl tritt aus dem Inneren der Bohne an die Oberfläche, wenn sie sehr dunkel und lange geröstet wird (z. B. typisch italienische Röstungen oder Starbucks-Röstungen). Durch die Hitze werden die Zellstrukturen der Bohne porös, und die ätherischen Öle treten aus.
Tipps zur Vermeidung von Problemen:
- Mittlere Röstungen wählen: Achten Sie darauf, dass die Bohnen matt und nicht glänzend aussehen.
- Regelmäßige Reinigung: Verwenden Sie spezielle Reinigungstabletten für Mahlwerke (die das Fett binden), oder saugen Sie den Bohnenbehälter regelmäßig aus.
- Mahlgrad anpassen: Wenn Sie ölige Bohnen verwenden müssen, stellen Sie den Mahlgrad etwas gröber. Je feiner der Mahlgrad, desto eher verklebt das System.
- Keine karamellisierten Bohnen: Verwenden Sie niemals Bohnen, die mit Zucker geröstet wurden (spanische „Torrefacto“-Röstungen). Diese führen sofort zum Totalschaden des Mahlwerks.