Warum kann das Mitdrehen einer Unterlegscheibe während des Festziehens die Oberflächenbeschichtung des Bauteils beschädigen?

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Das Mitdrehen einer Unterlegscheibe während des Festziehens führt aus physikalischen und mechanischen Gründen zu Schäden an der Oberflächenbeschichtung des Bauteils. Hier sind die Hauptgründe im Detail erklärt:

1. Hohe Flächenpressung und Reibung

Beim Festziehen einer Schraube entsteht eine hohe Vorspannkraft. Diese Kraft drückt die Unterlegscheibe mit massivem Druck auf die Oberfläche des Bauteils. Wenn sich die Scheibe nun mitdreht, entstehen enorme Reibungskräfte direkt auf der Beschichtung.

2. Scherkräfte

Beschichtungen (wie Lacke, Pulverbeschichtungen oder Verzinkungen) sind oft darauf ausgelegt, Druck von oben standzuhalten, aber nicht unbedingt starken Scherkräften (parallele Verschiebung). Durch die Rotation der Scheibe unter hohem Druck wird die Beschichtung förmlich „abgeschert“ oder zerrieben.

3. Mechanischer Abrieb (Abrasion)

Unterlegscheiben sind oft aus härterem Material als die Beschichtung des Bauteils. Wenn die Scheibe rotiert, wirkt sie wie ein Schleifmittel. Kleine Unebenheiten an der Unterseite der Scheibe graben sich in die weichere Beschichtung ein und kratzen diese ab. Dies kann bis auf das Basismaterial (z. B. den nackten Stahl) führen.

4. Entstehung von Wärme

Durch die starke Reibung zwischen Scheibe und Bauteiloberfläche entsteht punktuell Hitze. Bei empfindlichen Beschichtungen (z. B. Kunststoffbeschichtungen oder bestimmten Lacken) kann diese Wärme dazu führen, dass die Schicht weich wird, schmilzt oder ihre Haftung zum Untergrund verliert und abblättert.

5. Mikroverschweißungen (Fressen)

In extremen Fällen, besonders bei metallischen Oberflächen ohne ausreichende Schmierung, kann es zu sogenannten Kaltverschweißungen kommen. Winzige Punkte der Scheibe und des Bauteils verbinden sich kurzzeitig. Durch die Drehbewegung werden diese Verbindungen sofort wieder aufgebrochen, was zu tiefen Kratern und Materialausbrüchen führt.


Warum dreht sich die Scheibe überhaupt mit?

Normalerweise soll die Reibung zwischen Scheibe und Bauteil ($\mu_1$) größer sein als die Reibung zwischen Schraubenkopf und Scheibe ($\mu_2$). Die Scheibe sollte also stillstehen, während der Schraubenkopf auf ihr gleitet. Die Scheibe dreht sich mit, wenn:

  • Der Schraubenkopf sehr rau oder ungeschmiert ist.
  • Die Bauteiloberfläche sehr glatt oder ölig ist.
  • Die Geometrie der Teile nicht plan ist.

Die Folgen der Beschädigung:

  • Korrosion: Die wichtigste Funktion der Beschichtung (der Schutz vor Rost) geht verloren. Feuchtigkeit kann nun direkt das Grundmaterial angreifen.
  • Lockern der Verbindung: Wenn die Beschichtung zerrieben wird, entsteht "Setzbetrag". Das bedeutet, die Schicht wird dünner, wodurch die Vorspannkraft der Schraube nachlässt. Die Schraube kann sich mit der Zeit lockern.
  • Optik: Bei Sichtbauteilen sind Kratzer und abgeplatzter Lack ein Qualitätsmangel.

Fazit: Um Schäden zu vermeiden, sollte darauf geachtet werden, dass die Reibung unter dem Schraubenkopf (z. B. durch einen Tropfen Öl) geringer ist als die Reibung der Scheibe auf dem Bauteil, damit die Scheibe während des Anziehens liegen bleibt.

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