Warum ist die Zersetzungsrate von mehrlagigem Toilettenpapier in Campingtoiletten problematisch?
Die langsame Zersetzungsrate von herkömmlichem, mehrlagigem Toilettenpapier stellt in Campingtoiletten (wie Kassettentoiletten in Wohnmobilen oder Porta Pottis) aus mehreren technischen und praktischen Gründen ein Problem dar:
1. Verstopfungsgefahr beim Entleeren
Campingtoiletten haben im Gegensatz zur Hauskanalisation sehr enge Auslassstutzen und Ventile. Mehrlagiges Papier ist darauf ausgelegt, besonders reißfest zu sein. Wenn es sich nicht schnell genug auflöst, bilden sich dicke, nasse Klumpen. Diese können den Ausguss der Kassette blockieren, was das Entleeren zu einer mühsamen und unappetitlichen Angelegenheit macht.
2. Blockierung der Mechanik
In der Toilettenkassette befinden sich bewegliche Teile, wie zum Beispiel der Schieber (die Dichtung zum Tank) oder die Füllstandsanzeige (oft ein Schwimmer).
- Schwimmer: Wenn sich unaufgelöstes Papier um den Schwimmer wickelt, bleibt dieser hängen. Die Folge: Die Anzeige zeigt „leer“ an, obwohl der Tank voll ist, oder umgekehrt.
- Dichtungen: Papierfetzen können sich in den Gummidichtungen des Schiebers verfangen. Das führt dazu, dass die Toilette nicht mehr hermetisch schließt, was zu Geruchsbelästigung im Fahrzeug führt.
3. Begrenztes Tankvolumen
Ein Fäkalientank im Wohnmobil fasst meist nur 15 bis 20 Liter. Herkömmliches 3- oder 4-lagiges Papier ist sehr voluminös. Da es sich nicht zersetzt, nimmt es physisch viel Platz im Tank ein. Das führt dazu, dass der Tank viel schneller voll ist, als es durch die reine Menge an Exkrementen der Fall wäre. Man muss also deutlich öfter entsorgen.
4. Probleme mit dem Rühr- oder Spüleffekt
Im Gegensatz zur heimischen Toilette gibt es im Campertank keine starke Strömung oder große Wassermengen, die das Papier mechanisch zerreißen könnten. Die Chemie (oder die biologischen Zusätze) im Tank benötigt Zeit, um die Zellulosefasern zu durchdringen. Mehrlagiges Papier ist oft so fest verpresst oder sogar verleimt, dass die Flüssigkeit nicht schnell genug in die Zwischenräume eindringt.
5. Rückstände im Tank
Wenn man den Tank leert und das Papier sich nicht zersetzt hat, bleiben oft Reste am Boden oder an den Wänden der Kassette kleben. Diese Rückstände beginnen mit der Zeit zu faulen und verursachen extrem unangenehme Gerüche, die man auch mit chemischen Zusätzen kaum noch neutralisieren kann. Eine gründliche Reinigung der Kassette wird dadurch sehr schwierig.
Die Lösung:
- Spezial-Camping-Toilettenpapier: Dieses ist meist nur 2-lagig und so konzipiert, dass es sich bei Kontakt mit Wasser und Tankchemie fast sofort in winzige Fasern auflöst.
- Günstiges "No-Name"-Papier: Oft zersetzt sich billiges, dünnes Recycling-Papier (1- oder 2-lagig) ähnlich gut wie teures Spezialpapier.
- Der "Schütteltest": Man kann Papier testen, indem man ein Blatt in ein Glas Wasser gibt und kräftig schüttelt. Löst es sich in kleine Flocken auf, ist es geeignet. Bleibt es ein ganzes Blatt, ist es für die Campingtoilette problematisch.
- Mülleimer-Methode: In vielen Ländern (oder bei extrem empfindlichen Systemen) wird das Toilettenpapier gar nicht erst in die Toilette geworfen, sondern in einem separaten, geschlossenen Kosmetikmülleimer entsorgt.