Welche kulturellen Alternativen zur Nutzung von Toilettenpapier gibt es weltweit?
Während Toilettenpapier in westlichen Ländern als Standard gilt, nutzt die Mehrheit der Weltbevölkerung tatsächlich andere Methoden zur Reinigung nach dem Toilettengang. In vielen Kulturen wird die Verwendung von Papier sogar als weniger hygienisch empfunden als die Reinigung mit Wasser.
Hier sind die wichtigsten kulturellen Alternativen zur Nutzung von Toilettenpapier:
1. Die Reinigung mit Wasser (Die verbreitetste Methode)
In weiten Teilen Asiens, Afrikas und des Nahen Ostens ist Wasser das primäre Reinigungsmittel. Hier gibt es verschiedene Werkzeuge:
- Die Lota: In Süd- und Südostasien (Indien, Pakistan, Bangladesch) sowie im Nahen Osten ist die Lota weit verbreitet. Es handelt sich um ein kleines Kännchen mit einem Ausguss, mit dem man sich Wasser über den Intimbereich gießt, während man die linke Hand zur Reinigung benutzt.
- Der Tabo: Auf den Philippinen nutzt man den Tabo, einen kleinen Schöpfeimer mit Griff, um Wasser aus einem größeren Behälter zu entnehmen.
- Die Bidet-Brause ("Bum Gun"): In Thailand, Vietnam und vielen anderen südostasiatischen Ländern findet man neben fast jeder Toilette einen kleinen Wasserschlauch mit Sprühkopf. Dies wird oft als die effizienteste und hygienischste Methode angesehen.
- Das Bidet: In südeuropäischen Ländern wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland ist ein separates Bidetbecken im Badezimmer Standard. Auch in Argentinien und Uruguay ist es fest in der Kultur verankert.
- Das Washlet (Japanisches Hightech-WC): Japan hat die Reinigung mit Wasser perfektioniert. Moderne Toiletten (Washlets) verfügen über eingebaute Düsen, die per Knopfdruck Wasser in unterschiedlichen Temperaturen und Winkeln sprühen, gefolgt von einer Warmlufttrocknung.
2. Die kulturelle Bedeutung der "linken Hand"
In vielen muslimischen und hinduistischen Kulturen ist die Trennung der Hände strikt geregelt:
- Die linke Hand ist ausschließlich für die Körperhygiene (die Reinigung mit Wasser) reserviert.
- Die rechte Hand wird zum Essen, zum Händeschütteln und für soziale Interaktionen genutzt. Diese kulturelle Praxis erklärt, warum das Essen mit der linken Hand in diesen Regionen oft als grober Fauxpas gilt.
3. Natürliche Materialien (Historisch und ländlich)
Bevor industrielles Toilettenpapier weltweit verfügbar war, nutzten Menschen das, was die Umgebung hergab. In einigen ländlichen oder indigenen Gemeinschaften finden diese Methoden noch heute Anwendung:
- Blätter: Große, weiche Blätter (z. B. von Bananenstauden) wurden und werden in tropischen Regionen genutzt.
- Maiskolben: In den frühen USA (bevor Papier günstig war) waren abgenagte Maiskolben ein gängiges Hilfsmittel.
- Steine oder Erdschollen: In extrem wasserarmen Wüstenregionen gibt es die Tradition des Istijmar (im Islam erlaubt), bei dem Steine oder Erde zur Reinigung verwendet werden, wenn kein Wasser verfügbar ist.
- Schnee: In arktischen Regionen nutzten die Inuit historisch oft Schnee zur Reinigung.
4. Textilien ("Family Cloth")
In jüngster Zeit gibt es in westlichen Ländern eine kleine Bewegung aus Nachhaltigkeitsgründen:
- Waschbare Stofflappen: Diese werden oft als "Family Cloth" bezeichnet. Man benutzt weiche Flanell- oder Baumwolltücher, die nach dem Gebrauch in einem geschlossenen Behälter gesammelt und dann heiß gewaschen werden. Dies ist vergleichbar mit dem Prinzip von Stoffwindeln.
5. Historische Kuriosität: Das Xylospongium
Im antiken Rom nutzte man das Xylospongium (oder Tersorium) – einen Schwamm, der an einem Holzstock befestigt war. In öffentlichen Latrinen standen diese Stöcke in einem Eimer mit Salzwasser oder Essig bereit und wurden von allen Besuchern geteilt.
Fazit: Warum die Alternativen oft bevorzugt werden
Kritiker von Toilettenpapier führen meist drei Argumente für Wasser-Alternativen an:
- Hygiene: Wasser reinigt gründlicher, während Papier Schmutz eher verreibt.
- Gesundheit: Papier kann die Haut reizen; Wasser ist sanfter (wichtig bei Hämorrhoiden oder nach Geburten).
- Ökologie: Die Produktion von Toilettenpapier verbraucht riesige Mengen an Holz und Wasser. Ein Bidet verbraucht pro Nutzung deutlich weniger Wasser, als für die Herstellung der entsprechenden Menge Papier nötig wäre.