Warum ist die Akkulaufzeit bei spiegellosen Systemkameras im Vergleich zu Spiegelreflexkameras oft geringer?
Dass spiegellose Systemkameras (DSLM) in der Regel eine geringere Akkulaufzeit haben als digitale Spiegelreflexkameras (DSLR), liegt an ihrer grundlegenden Funktionsweise. Während eine DSLR ein mechanisch-optisches System ist, ist eine DSLM ein rein elektronisches System.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Der permanente Einsatz des Bildsensors
Dies ist der wichtigste Faktor.
- DSLR: Wenn du durch den optischen Sucher blickst, ist die Kamera fast "aus". Das Licht wird durch einen Spiegel direkt in dein Auge geleitet. Der Sensor wird erst in dem Bruchteil einer Sekunde aktiviert, in dem du den Auslöser drückst.
- DSLM: Der Sensor muss immer aktiv sein, solange die Kamera eingeschaltet ist. Er muss permanent Daten auslesen, um das Bild für den elektronischen Sucher (EVF) oder das Display auf der Rückseite zu erzeugen. Das verbraucht kontinuierlich Strom.
2. Der elektronische Sucher (EVF) und das Display
- DSLR: Der optische Sucher verbraucht 0 % Strom.
- DSLM: Der elektronische Sucher ist im Grunde ein winziger, extrem hochauflösender Monitor mit hoher Bildwiederholrate (oft 60 oder 120 Bilder pro Sekunde). Diesen Monitor zu betreiben, kostet viel Energie – oft sogar mehr als das große Display auf der Rückseite.
3. Rechenleistung (Bildprozessor)
Da die DSLM das Bild für den Sucher ständig in Echtzeit verarbeiten muss (Belichtungssimulation, Weißabgleich, Fokus-Peaking etc.), steht der Bildprozessor unter Dauerlast. Bei einer DSLR "ruht" der Prozessor weitgehend, bis das Foto tatsächlich gemacht wird.
4. Autofokus-System
- DSLR: Besitzt oft ein separates, sehr stromsparendes Modul für den Autofokus (Phasendetektion), das nur aktiv ist, wenn der Spiegel unten ist.
- DSLM: Der Autofokus wird direkt auf dem Hauptsensor berechnet. Die ständige Analyse des Bildes nach Kontrasten oder Gesichtern/Augen erfordert zusätzliche Rechenleistung und somit Strom.
5. Gehäusegröße und Akkukapazität
Spiegellose Kameras wurden ursprünglich mit dem Ziel entwickelt, kompakter und leichter zu sein.
- Kleinere Gehäuse bedeuteten anfangs auch kleinere Akkus.
- DSLRs sind meist massiver und bieten Platz für sehr große Akkus, die eine viel höhere Kapazität (mAh) haben.
6. Bildstabilisierung im Gehäuse (IBIS)
Viele moderne spiegellose Kameras haben einen beweglichen Sensor zur Bildstabilisierung (In-Body Image Stabilization). Um den Sensor elektromagnetisch "schwebend" zu halten und Erschütterungen auszugleichen, wird ebenfalls permanent Strom benötigt.
Der Trend ändert sich
Man muss jedoch dazu sagen, dass sich der Abstand verringert:
- Größere Akkus: Neuere Profi-DSLMs (wie die Sony A7IV, Nikon Z9 oder Canon EOS R5) verwenden mittlerweile deutlich größere Akkus.
- Effizienz: Die Prozessoren werden immer stromsparender.
- CIPA-Rating vs. Realität: Die offiziellen Messwerte (CIPA) sind bei DSLMs oft sehr konservativ. In der Praxis machen Fotografen oft zwei- bis dreimal so viele Bilder, als auf der Packung steht, besonders bei Serienbildaufnahmen.
Fazit: Eine DSLR ist wie ein Auto, das nur Benzin verbraucht, wenn es fährt. Eine DSLM ist wie ein Auto, dessen Motor (Sensor/Display) die ganze Zeit laufen muss, damit man überhaupt aus dem Fenster sehen kann.