Warum sind spiegellose Systemkameras meist kompakter als klassische Spiegelreflexkameras?
Dass spiegellose Systemkameras (DSLM) in der Regel kompakter und leichter sind als klassische Spiegelreflexkameras (DSLR), liegt an ihrer grundlegend anderen Bauweise. Der Hauptgrund ist – wie der Name schon sagt – der Wegfall des mechanischen Spiegelmechanismus.
Hier sind die vier entscheidenden Faktoren im Detail:
1. Wegfall des Spiegelkastens
In einer DSLR sitzt zwischen dem Objektiv und dem Sensor ein beweglicher Spiegel. Dieser leitet das Licht nach oben in den Sucher. Damit dieser Spiegel hochklappen kann, um den Sensor für das Foto freizugeben, benötigt er Platz (den sogenannten Spiegelkasten).
- Bei der DSLM: Da kein Spiegel vorhanden ist, fällt dieser Hohlraum komplett weg. Das Gehäuse kann dadurch deutlich flacher gebaut werden.
2. Ersatz des Prismas durch Elektronik
Eine DSLR benötigt über dem Spiegel ein schweres Glasprisma (Pentaprisma) oder eine Spiegelkonstruktion, um das Bild für den optischen Sucher wieder "richtig herum" zu drehen. Das verursacht den typischen „Buckel“ oben auf der Kamera.
- Bei der DSLM: Das Bild wird direkt vom Sensor abgegriffen und auf einem winzigen Display im Sucher (EVF – Elektronischer Sucher) oder auf dem rückwärtigen Monitor angezeigt. Ein Glasprisma ist nicht mehr nötig, was Gewicht und Bauhöhe spart.
3. Das geringere Auflagemaß
Das „Auflagemaß“ ist der Abstand zwischen dem Bajonett (dort, wo das Objektiv ansetzt) und der Sensorebene.
- Bei der DSLR: Wegen des Spiegels muss das Objektiv relativ weit vom Sensor entfernt sein (oft ca. 40–45 mm).
- Bei der DSLM: Das Objektiv kann viel näher am Sensor platziert werden (oft nur ca. 16–20 mm). Dieser eingesparte Platz führt dazu, dass nicht nur das Kameragehäuse dünner wird, sondern auch viele Objektive (besonders Weitwinkel) kompakter konstruiert werden können.
4. Integration von Funktionen auf dem Sensor
In einer DSLR gibt es oft separate Sensoren für den Autofokus (unten im Spiegelkasten) und für die Belichtungsmessung (oben beim Sucher).
- Bei der DSLM: Der Hauptbildsensor übernimmt fast alle Aufgaben gleichzeitig: Bildaufnahme, Autofokus (durch Phasendetektions-Pixel direkt auf dem Sensor) und Belichtungsmessung. Weniger separate Bauteile bedeuten eine platzsparendere interne Architektur.
Ein wichtiger Hinweis zur Ergonomie
Obwohl die Technik es erlaubt, Kameras extrem klein zu bauen, sind viele Profi-Modelle im spiegellosen Bereich trotzdem wieder etwas größer geworden. Das hat zwei Gründe:
- Handhabung: Große Hände brauchen Grifffläche, und schwere Profi-Objektive benötigen ein Gegengewicht am Gehäuse, damit die Kamera nicht kopflastig wird.
- Kühlung & Akku: Leistungsstarke Prozessoren für 4K/8K-Video erzeugen Wärme, die abgeleitet werden muss, und größere Akkus benötigen ebenfalls Platz.
Zusammenfassend: Das spiegellose Design spart vor allem deshalb Platz, weil die mechanische Sperrigkeit des Spiegels und die optische Komplexität des Prismensuchers durch rein digitale Lösungen ersetzt wurden.